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Full text of "Sammlung architectonischer äusserer und innerer Verzierungen für angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst"

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architectonischer 


äufserer und innerer Verzierungen 


für 


angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


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Herausgegeben 


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Königl. Preuls. Geh. Ober-Bau-Rath. ARE Aahız Area 
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Berlın. 1903; 


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vorBbericht 


Bi Herausgabe dieser Blätter, ist es nicht des Verfassers Absicht, Regeln festsetzen zu wol- 
len, nach welchen diese Verzierungen ausgeführet werden sollen, noch weniger aber, sich in 
das eigentliche Gebiet der schönen Baukunst hineinzubegeben, und diese von ihren einzel- 
nen Theilen bis zur Zusammensetzung vollendeter Gegenstände vorzutragen, da er voraus- 
setzt, dafs jeder eigentliche Baukünstler sein Werk nach architectonischen Gesetzen zu con- 
struiren verstehe; nur will er, da die Kunst mit jedem Tage steiget und mit derselben der 
Geschmack am Schönen und Gefälligen verfeinert wird, des Künstlers Ideen durch Vorbilder 
nach den besten Mustern zu Hülfe kommen. 

Es ist zwar nicht zu läugnen, dafs über diesen Gegenstand mehrere und zum Theil ganz 
vortreffliche Werke vorhanden sind, ihre Anschaffung aber wird durch ihre Kostbarkeit so 
sehr erschweret, dafs man sie selten anders, als in grolsen Bibliotheken oder bei sehr bemit- 
telten Kunstliebhabern, antrifft; gleichwohl ist es Bedürfnifs des Künstlers, mit den Produk- 
ten der fortschreitenden Kunst bekannt zu seyn. 

Durch Herausgabe dieser Sammlung glaubt nun der Verfasser eine Lücke, welche sich 
zwischen einer so kostspieligen Anschaffung jener Kunstwerke und einer gänzlichen Entbeh- 
rung der neuern und dem heutigen Geschmack angemessenen Kunst-Erscheinungen befindet, 
auszufüllen, und das Bedürfnifs des Künstlers auf eine weniger kostbare Art zu befriedigen. 


Da ihr Inhalt sich nur lediglich auf Vorbilder zur beliebigen Nachahmung einschränkt, 
so hat man die dabei gebrauchten Maalsstäbe weglassen zu können geglaubt, um so eher, da 


jeder Baumeister das Verhältnifs einzelner Theile zum Ganzen und umgekehrt, zu finden 
} wissen wird. 

Unter den gewählten Vorbildern sollen auch geschmackvoll verzierte Facaden bürgerli- 
cher Häuser mit aufgenommen werden, und da einem oder dem andern Liebhaber daran 
gelegen seyn könnte, den Abputz eines Hauses oder andern Baustückes in einer schicklichen 
und gefälligen Farben-Mischung zu wissen, so sollen aufser den schwarzen Abdrücken auf 
Velin-Papier in Auquatinta einige Hefte mit illuminirten Blättern erscheinen, die aber der 
mühsamen Malerey wegen einen höhern doch angemessenen Preis erhalten werden. 

Um den Schein der Anmafsung zu vermeiden, so soll, wenn die Facade oder Verzie- 
rung keine Zusammensetzung ist, in der Beschreibung der Kupfertafeln jedesmal der Erfin- 
der, auch Ort und Stelle, wo das Original zu finden, angegeben werden. Bei den eigenen 
Ideen des Verfassers oder bei Zusammensetzungen mehrerer bereits vorhandenen Verzierun- 
gen zu einem Ganzen, fällt diese Anzeige weg. 

Übrigens wird die Folge der Aufnahme lehren, ob des Herausgebers gute, von aller Ge- 

winnsucht entfernte Absicht erkannt werden, und ob sein Vorsatz, halbjährig ein Heft folgen 


| zu lassen, ausführbar seyn wird. 


Tal: 


Wade zu einem Landhause; von Friedrich Gilly entworfen, und bis auf einige Abänderungen beibehalten. 


Der schicklichste Abputz gegen ein dahinter stehendes Laubholz von verschiedenem Grün ist ein Gemisch aus Braun 
und Gelb, in Abstufungen, so dals der Sockel ganz dunkel braunroth, die beiden darauf stehenden Etagen aber mehr ins 
Gelbliche fallen, das Risalit hingegen muls ganz hell gelblich, ins Graue fallend, gehalten werden. 

An beiden Seiten der Thüre sieht man in der Nische zwei griechische gläserne Gefälse auf antiquen Füßen stehen, 


um darin wohlriechende und schöne Blumen in frischer Erde oder Wasser zu conserviren. 
a) Ein Familien-Begräbnils. Dieses Gebäude steht auf dem Kirchhofe vor dem Halleschen Thor zu Berlin. 


b) und c) Die vorerwähnten griechischen Gefälse größser und in zweierlei Formen dargestellt. Das eine mit hölzernen, 


und das andere mit eisernen antiquen Untergestelle. 


Taf. I. 


a) Arrabeske-Verzierung mit Rosetten und gewundenem Laube. 

Diese Art Verzierungen können bei Frielsen ganz oder stückweise, auch bei Bändern, Feldern und ähnlichen Stellen, 
sowohl an Facaden als Sälen und Zimmern gebraucht werden. Der Preis dieser Stuccatur-Arbeit richtet sich nach der Höhe 
der Verzierung. Gewöhnlich wird der steigende Zoll, ein Fuls lang, mit ı Gr. bezahlt. Hieraus folgt, dafs der laufende Fuls 
Friefs-Verzierung 10 Zoll hoch, ı0 Gr. kosten würde; insgemein aber kann man annehmen, dals dem Stuccatur für den lau- 
fenden Fuls 14 bis 16 Gr. inclusive aller Zuthat bezahlt wird. 

Die Rosetten werden besonders verfertigt und mit eisernen Nägeln befestigt; das Laubwerk aber an das Gebäude 
selbst angetragen und geschnitten. 

Einzelne Rosetten werden nach ihrem Durchmesser bezahlt, 


bei einem Fuls Durchmesser das Stück 16 Gr. 
ans 7:01 =. Br En 20 Gr. 
— 20 Zoll ln er rellhlr. u. 8:08 


Glatte Rosetten kosten aber nur halb so viel. 

b) Eine Verzierung mit Eier- und Perln-Stäben; auch mit eingeschnittenen sogenannten Etrurischen Zierrathen. 

1. Anmerkung. Der Fuls Eier- und Perln-Stab bei 4zülliger Höhe wird Bewröhulich mit 8 Gr., bei geringerer Höhe mit 6 
und 4 Gr. bezahlt. Einzeln kostet der Fuls Eier-Stab 4 Gr. und Perln 2 Gr. Reiche Arbeit Etrurischer Ein- 
schnitte wird, wenn die Borte oder das Band nicht über ıg Zoll breit ist, mit ı2 Gr. der laufenden Fuls bezahlt. 

2. Anmerkung. Bei diesen erhabenen Stuck-Arbeiten muls der Baumeister, im Fall er unerfahrene Stuccatur und Maurer 
haben sollte, sein Augenmerk auch auf die Zubereitung der Masse richten, wenn die Arbeit Wetter fest werden 
soll; das heilst, dafs nach der Güte des Gipses und Kalkes auch verhältnilsmälsig wohlgereinigter Sand unter die 
Masie genommen werde. 

c) und d) Zwei Laternen mit eisernen Gestellen und Untersätzen von Werkstücken (Sandsteinen). Erstere sieht man 

vor dem Seehandlungs-Gebäude in der Jägerstralse und letztere vor dem National-Schauspielhause zu Berlin. 
Man hat sich zwar einige Abänderungen, erlaubt, doch ist im Ganzen die Form beibehalten worden. 

Anmerkung. Ein solches Gestell mit der Laterne, je nachdem das Eisen in Pfunden schwer oder leicht ausfällt, kann un- 
gefähr 50 bis 60 Thaler kosten; erstere jedoch weniger als letztere. 

e) Vorsprung von einer Facade. Bei den hier angebradhlin Verzierungen ist ein schicklicher Abputz des Gebäu- 
des wesentlich nothwendig. Der Vorsprung, sei er nun in dr Mitte oder an den Seiten der Facade angebracht, muls in’ ei- 
nen hellern 'Thon, als der des Hauptgrundes der Facade gehalten werden. Ferner müssen die Abstufungen der Farben vom 
Fuls des Gebäudes ab mit Rücksicht auf Schatten und Tre geschehen, so dals der Sockel (Plinte) BER dunkel braunroth, 
die ganze erste Etage aber um 3 aus eben der Farbe heller; die zweite Etage hingegen aus einer ganz andern, jedoch hell 
gehaltenen Farbe a gepur a lier. Es ist aber wohl zu ren, dals alle Coieren den Stein-Arten so Se wie möglich 
kommen müssen. 

Die Verzierungen der Stuck-Arbeit können entweder weils mit etwas gelb vermischt, oder auch in bronzartiger Cou- 
leur abgefärbt werden. Das Holzwerk, als Fenster-Rähme incl. Stäbe und Sprossen ganz weils, Thüre und Thorweg aber 
nehmen sich besser aus, wenn sie von Eichenholz angefertigt und der Mahagony-Holzfarbe ähnlich gebeizt, hiernächst aber 
mit einem Wetterfesten Lack überzogen werden. 


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a) Facade zu einem Landhause. 


Der Abputz muls in eben dem Ton und in eben der Abstufung gehalten werden, wie bereits vorher angeführt worden. 


b) Muster zu einem Fenster, 


c) Ein simples eisernes Treppen- auch Balkon-Geländer. 


Wovon der laufende Fuls bei einer 2 Fuls 8 bis g zölligen Höhe ungefähr ı Thlr. 8 bis ı2 Gr. kosten kann. 


d) Ein etwas reicheres Muster zu einem Fenster, als b. 


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a) Abbildung zu einer Rosette mit einem Theil von Arabeske-Verzierung: 
b) Muster zu einer Laterne mit eisernem Gestelle auf einem Massiven-Fuls. 7 bis 8 Fuls hoch. 
Der Preis des Ganzen kann zwischen 50 bis 60 Thlr. betragen. 
c) Fin Theil von einer Facade zu einem dreistöckigen Gebäude mit einem Risalit. 
1. Anmerkung. Diese Facade ist eine Nachahmung derjenigen, welche man in der Jägerstralse No. 61. zu Berlin sieht. 
2. Anmerkung. Der Abputz von diesem Gebäude ist Steinfarbig, mit Rücksicht auf Schatten und Licht, das Erhabene soll 
wie die Grundfarbe, und zwar abstufend von unten auf in einem unmerklich flammenden Ton geschehen, so dals 
die Plinthe ganz dunkel, die erste Etage heller und zwar in einer veränderten, die zweite und dritte Etage hinge- 
gen gleichfarbig, aber in einer weit helleren Farbe, das Risalit aber ganz hell in einem milden gelbbräunlichen Ton 
gehalten werden. 
d) Ein Theil einer Fagade zu einem 2 Etagen hohen Bürgerhause, mit Arabeske-Verzierungen. 
Der Thorweg mit seinem Oberlicht ist sowohl an Tischler- als Glaser-Arbeit sehr reich. Die Thorflügel sind von Ei- 
chenholz und diese Holzfarbe ist beibehalten, und mit einem Wetterfesten Lack überzogen. 
Anmerkung. Der DFufs dergleichen Tischler-Arbeit im Eichenholz kann ppter ı8 Gr. kosten. Die Glaser-Arbeit wird, 
wie in Berlin üblich, nach der Vorschrift ausgemessen und nach der Taxe bezahlt. Die Ausmessung geschieht der- 
gestalt, dals man jedes einzelnen Gegenstandes grölste Länge mit dessen grölsten Breite multiplirt; der DFuls da- 


von, in Kitt wird in Kreide-Glas, mit ı0o Gr., und in ordinairem oder gestrecktem Glase mit 5 Gr. bezahlt. 


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a) Facade, welche man eben sowohl zu einem Land- als Bürgerhause brauchen kann. 
Anmerkung. Die Idee ist von Fr. Gilly. Es haben jedoch einige Abänderungen dabei statt gefunden. 
b) Ein Cantilabre, Fr. Gilly’s Idee. 
Dieser Aufsatz kann sowohl zu Tragung der Lichte, als auch in dessen Schaalen rare Früchte hinein zu legen be- 
nutzt werden. 
Der Fuls eines Säulenstücks kann von farbigem, schöner aber von weilsem Marmor, alles übrige aber von matter und 
polirter, und die Figur von angelaufener Bronze verfertigt werden. 
c) Ein griechisches Gefäls mit antiquen Fülsen von Greifen, welches man im Kleinen von preter propter ız Fuls 
Höhe, in Bronze gearbeitet, mit zu einem Tafel- Aufsatz, in welchem Früchte oder Blumen ausgesetzt werden, ge- 


brauchen kann. 


Anmerkung. Ein ähnliches Bild sieht man auch unter denen von Fr. Gilly hinterlassenen Scizzen. 
d) Ein Altan (Balkon). Herausgebers Idee. 


Anmerkung. Der laufende Fuls von dem darauf stehenden eisernen Geländer 2 Fuls 8 bis 9 Zoll hoch, kann ungefähr 2 
Thlr. 16 Gr. bis 3 Thlr. kosten. 
e) und f) Profil und Vorderseite von einem Kragstein. 
g) Ein mit reicher Verzierung abgebildeter Kragstein. 


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h) Das Profil dazu. 


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a) und b) Abbildungen zu Thür- und auch Fenster-Verdachungen, die man zu äufsern und innern Verzierungen, zu letz- 
tern besonders gemalt, gebrauchen kann. b) ist eine Idee des Herausgebers. 

c) und d) Frauensköpfe en Face und en Profil, welche sowohl als die Egyptischen Löwenköpfe 

e) und f) zu Verzierungen an Facaden, über Thüren, Fenstern und Thorwegen, desgleichen im Innern der Zimmer ge- 
braucht werden können. 

von Racknitz 1796 Taf. II. Litt. H.=2. 
g) Ein zirkelförmiges Fenster mit verzierten Sprossen. 
Diese Art Fenster nehmen sich besonders auf Giebel-Seiten und über Thorwege gut aus. 


Ein ähnlich geformtes sieht man an der vordern Seite des Hrn. Geheimen Raths Melter seinem Landhause im Thier- 


garten zu B erlin. 


Anmerkung. Die Tischler-Arbeit der Fenster wird dergestalt berechnet und bezahlt, dals man nämlich die grölste Länge 


mit der grölsten Breite multiplieirt und diesen Quadrat-Inhalt mit 8 bis ı2, auch ı6 Gr. pro Quadrat-Fuls, je nach- 
dem die Verzierung reich ist, bezahlt. 

Bei der Glaser-Arbeit wird eben so mit der Berechnung verfahren, doch mit dem Unterschied, dafs hier jedes 
einzelne Stück, welches durch eine Sprosse umfalst ist, berechnet wird. Die Bezahlung geschieht wie bereits im 


Aten Blatt angeführt steht. 


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architectonischer 
äufserer und innerer Verzierungen 
für 


angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


EI — 


Herausgegeben 


von 


H. GC. Riedel dem jüngern, 


Königl. Preuls. Geh. Ober - Bau- Rath. 


Amweites Heft. 


Mit 6 Kupfertafeln in aqua tinta geätzt. 


Berlin, 1804. 


AufKosten des Herausgebers 


Taf. I. 


Ds Mittel- oder Haupt-Stück dies Blattes ist eine Abbildung des Grabmahls der verstorbenen Frau Gräfin von Maltzahn, 
Tochter des wirklich Geheimen Etats- und dirigirenden Ministers Herrn Grafen von Hoym Excellenz. 

Es steht massiv erbaut in dem Garten gedachter Sr. Excelleuz zu Dyhernfurt, einem kleinen Städtchen in Schlesien, 
an der Oder, vier Meilen von Breslau, ist mit angemessenen Gruppirungen von aus- und inländischen Sträuchern und Bäu- 
men umgeben und führt über der Thüre die kurze Inschrift: Ruhe. 

Der Entwurf zu diesem Denkmahl soll von dem verstorbenen Professor Fr. Gilly seyn, wahrscheinlich aber haben 
bey der Ausführung einige Abänderungen statt gehabt. Wäre der Abputz in einem andern als ganz blendenden meilsen Ton 
(welcher Geschmack übrigens fast durchgängig bei Schlesischen Gebäuden angetroffen wird,) gewählt worden, so würde die- 
se Partie bei dem schönen vorliegenden Rasenplatz, und bei den zweckmäßig gewählten Farben der herumgestellten Sträu- 
cher und Bäume, nichs nur an Schönheit gewonnen haben, sondern sich auch vorzüglich für alle übrige Partien dieses schö- 
nen Gartens, (mit Ausnahme der Mühlen-Partie, welche nach meinem Urtheil den ersten Platz erhält,) in welchem die Kunst 
die Natur zu eben so mannichfaltigen, als geschmackvollen Anlagen benutzt hat, auszeichnen. 

Der Verfasser, der diesen Begräbnifsplatz selbst aufgenommen hat, und bei der Aufnahme der Natur ganz treu ge- 
blieben ist, hätte wohl gewünscht, dals die Aquatinte-Arbeit gleichfalls dem Originale gemäls ausgefallen seyn möchte. 

a) Band-Verzierung, welche sich bei Decken entweder von Stuck-Arbeit oder gemalt schicklich anbringen lälst. 
b) Etrurische Verzierung. (Einschnitte.) 


ec) d) und e) Monumente. Ideen von einem jungen Zeichner C. F. Stange. 


Taf Il. 


a) Facade zu einem Wachthause für eine Provinzial- Stadt. 
b) Armaturen, die man bei einer mehr beabsichtigten Verzierung auf die Antiquen beider Risalite setzen kann. 
c) Armaturen, die halb in erhobener Arbeit (bas-reliels) neben den Fenstern in vertieften Feldern angebracht werden 
können. 
d) Ein Löwen-Kopf, der wie der Helm 
e) über den Fenster angebracht werden kann, alsdann aber muls die Nieche wegbleiben. (a bis e Ideen des Verfassers.) 
F. G. I. K. Verzierungen zu Gesims- Gliedern. 
h) Friels-Verzierung. 
Diese Verzierungen sind aus Jonian Antiquities 
F. Pl. XXXVII. Fig. 2. 
G. h. Pl. XXXVI. Fig. 2. und 
I. K. Pl. XLIV. Fig. 5. 


} Taf. II 


Litt. a) Facade eines zu Berlin in der Behrenstralse sub No. 68. stehenden zweistöckigen ‚herrschaftlichen Hauses. 

Ihrer Form, ihrer angemessenen Verzierung und ihres Abputzes wegen, macht diese Facade vielen Eindruck. Sie hat 
im Ganzen genommen etwas Gefälliges und Heiteres, auf welche das Auge gern lange verweilet. Die von unten hinauf an- 
gebrachte Abstufung des Abputzes in hellere Farben trägt viel zu dem Freundlichen bei. 

Die beobachtete Ordnung des Abputzes ist folgende. Der erste Fundament-Absatz ist ganz dunkelbraun. Die Plinte 
etmas weniger dunkel ins Blauröthlich fallende abgefärbs. Die erste Etage hellbräunlich, das Brüstungs-Band fleischfarbig, 
mit wenig Gelblich marmorirt und die zweite Etage in einem Gelbbräunlichen Ton gehalten. Übrigens sind alle daran an- 
gebrachte Verzierungen Stuck-Arbeit und auf Bronze Art colorirt. 

Das innere dieses Gebäudes ist zu einer herrschaftlichen Wohnung angemessen und bequem nach einen vom Herrn 
Ober Hof-Baurath Moser gemachten Plan, unter dessen Leitung‘ auch der ganze Bau ausgeführt worden, eingerichtet, die 
Faccde hingegen von dem verstorbenen Professor Fr. Gilly entworfen worden. 

Litt. b) Eine Verzierung über Fenster, auch Thüren, bei Fagaden zu gebrauchen, aus Stuck in halb erhobener Arbeit 
gefertiget. 

Litt. c) Ein Fries und Gesims-Stück nach Maurerischem Geschmack, welches in Racknitz gemalten Blättern No. 27. zu 
finden ist. 

Dieser Geschmack karakterisirt auffallend die Völkerschaft. Mehrentheils verzierten sie Säle, Gallerien und derglei- 
chen in Brüstungs-Höhe, mit blauen, gelben, auch verschieden andern färbigen Fliesen (nur versteht sich nicht grün) welche 
eine Schach oder länglichte Form hatten. Die obern Theile, nämlich die Wandverzierungen, bestanden aus fein ausgearbei- 
teten Stuck und ihre Bänder oder Einfassungen um die Stuck-Arbeit, waren mit Sprüchen aus dem Alcoran ausgeziert. 

Durch Carl den Grofsen wurde dieser Maurerische Geschmack begünstiget. An denen während seiner Lebenszeit zu 
Achen erbaueten Gothischen Gebäuden sollen viele Maurische Verzierungen angebracht seyn und besonders die grolse Kir- 
che daselbst, so wie die Domkirche zu Rheims, Strasburg und die Kirche des heiligen Eustachius zu Paris die Wahrheit des 
vermischten Geschmacks darthun soll. Durch die Verbindung dieser architektonischen Verschiedenheiten entstand in der 
Folge die sogenannte Neu-Gothische Bauart. 

Man lese über diesen Gegenstand des Herrn Freiherrn von Rachnitz Darstellung und Geschichte über Geschmack: 

4 Maurischer Geschmack, pag. 27. 
Besonders auch Stieglitz bürgerliche Baukunst. Erster Theil. Geschichte der Baukunst von pag. 148 bis 214. Diesen Gegen- 
stand betreffend von pag. ıgo ah. 
Litt. d) Abbildung eines Fensters, wie solches in dem vom Professer Gentz erbaueten Münzgebäude auf dem Werder zu 
Berlin, in der zweiten Etage, worin die Bau-Akademie ihren Sitz hat, zu sehen ist. 
Anmerkung. Von den Kosten der Tischler- und Glaser-Arbeit dieser Art Fenster findet sich bereits Nachricht im 
ersten Heft Taf. VI, 


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‚Taf. IV, 


a) Ein Gothischer Giebel. Verfassers Idee aus den Zeichnungen, welche für den neuen Rathhaus-Bau zu Kalisch in Süd- 
preulsen entworfen sind. 

Die Veranlassung, das abgebrannte Rathhaus im Gothischen ‘Geschmack wieder aufzubauen, war der stehen gebliebe- 
ne hohe Thurm von Gothischer Bauart. Wenn es auf der einen Seite Schade gewesen seyn würde, diesen abzureilsen, so 
würde es auf der andern Seite ganz geschmacklos gewesen seyn, das Ratlıhaus in einem andern, mit der Bauart des Thurms 
contrastirenden Styl aufzubauen. 

In den dieses Baues wegen projectirten Zeichnungen wird demnach der alte Thurm mit einigen Abänderungen und 
Verschönerungen am obern Theile beibehalten und dem Rathhause selbst eine Stelle auf dem Markt-Platz eingeräumt, wo- 
durch es isolirt, jedoch mit jenem in eine schickliche Verbindung gesetzt wird. 

Anmerkung. In den folgenden Heften wird Verfasser auch das eine von den zwei zur Abänderung und Verschö- 

nerung des Thurms entworfenen Projekten mit beifügen. 
b) c) d) und e) sind Rosetten im Gothischen Geschmack, entliehen aus dem Englischen Werk: 
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Elevation Sections and Views 
of the Churoh of Batalha 
in the Province of 
Estremadura in Portugal 
by James Marphy 
London MDCOCXCV. 
f) und g) Verzierungen im Gothischen Friefse. Aus Joh. Gottfried Grohmann, Professor der Philosophie zu Leipzig. 
I. Heft XI. Blatt. 

Es wäre zu wünschen, dafs Ziegelei-Besitzer durch die Baumeister auf die Idee hingeleitet würden, dergleichen Roset- 
ten und einzelne Gothische Verzierungen formen und brennen zu lassen. Man würde dadurch in den Stand gesetzt werden, 
ohne Umstände und mit wenigen Kosten Verzierungen bei Gebäuden auf dem Lande sowohl als in Städten anbringen zu 


können. 


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a) Abbildung einer Laterne, die man mitten über eine Straße zur Beleuchtung hängt. : Die Form sowohl als die oben 
angebrachte Qualm- und Zug-Öffnung gewähren den Zweck einer solchen Laterne vollkommen, nur muls die ein- 
gehenkte Lampe mit ihrem Spiegel gehörig construirt seyn, ordentlich rein gehalten werden und das ‘erforderliche 
Oel bekommen. 

b) Ein Brunnen- Gehäuse, wie sie in Berlin über mehrere Brunnen-Röhren angetroffen werden. Sie sind 7 bis 8 Fuß 
hoch, von Holz zusammengesetzt und ihre Luftöffnungen sind mit starkem durchgeschlagenen Blech gesperrt. 

c) d) e) f} g) und h) sind Vorbilder zu Einzäunungen vor Höfe, Gärten etc. Das Lattenfeld Litt.: e) ist im Türkischen, 
und Litt. h) im Persischen Geschmack; bei ersteren ist im Anstreichen die grüne Farbe zu vermeiden; bei letzte- 
ren alles Bunte. Werden Estaquets Litt. c) und g) gewählt, so sind die kleinen Blätter-Verzierungen bei der Aus- 
führung von starkem Blech anzufertigen. Die Pfeiler bei d) und f) können von Holz, mit Bretter verkleidet, bes- 


ser aber massiv gefertiget werden. 


TaL IVE 


a) Decke (Plafond). Des Herausgebers eigene Idee. 

Diese Art Decken mögen von Stuck oder gemalt werden, so ist die.erste Regel, alles blals in gebrochenen Farben zu 
halten. Die in halb erhabener Stuck-Arbeit, oder auch gemalte Figuren in beiden Feldern können weils entweder auf einem 
ganz blalsgelblichen oder bläulichen Grund kommen; alle übrige Verzierungen, es mögen geflochtene oder sonst ähnliche er- 
habene seyn; können hell, als Weils, auch Hellgrau in Grau, auf dunkeln Gründen werden. Die incrustirten oder auch Etru- 
rischen Verzierungen sind hingegen alle sehr dunkel auszufüllen. 

b) Candilabre, Armleuchter von Bronze, die Verzierungen Gold. Gehört zu dem Schlafzimmer-Geräthe der Madame Re- 
camier. 

c) und d) 2 Rosetten, die man bei Plafonds hin und wieder anbringen kann. 

e).) 2 Römische Gefälse. , 

g) Ein Karnis-Stück aus den Stuart entlehnt. 

h) Bett der Madame Recamier zu Paris, Stralse Mont-Blanc, nach dem Risse des Baumeisters Berthhault ausgeführt. 

Das Gestelle des Bettes mit beiden (Piedestalen) Fulsgestellen, von Mahagoni -Holz und die darauf angebrachten 
Zierrathen und Figuren von vergoldeter Bronze. 


Die Überdecke von rosenfarbigen Seidenzeug mit goldener Stickerey. 


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architectonischer 


äufserer und innerer Verzierungen 


für 
angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


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Herausgegeben 


von 


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Königl. Preufs. Geh. Ober-Bau-Rath. 


Drittes Heft. 


Mit 6 Kupfertafeln in aqua tinta geätzt. 


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Berlin, 1844 


Auf Kosten des Herausgebers. 


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»8 Hauptstück dieses Blattes, ist ein Vorbild zu einer Land- oder Dorf-Kirche von 80 Fuls Länge, 40 Fuls Tiefe und 22 


Fuls Höhe, in deren innern Raum nach Abzug der nöthigen Gänge und erforderlichen Plätze 470 Personen, auf jeder 4 


Quadrat-Fu[s gerechnet, Platz nehmen können. 

Im innern ist sie so construirt, dals rund herum, durch Unterstützungs-Säulen oder Ständern ein Chor, und durch 
dies, mittelst zweier Unterzüge und abgesetzten Säulen die Dachbalken getragen werden. 

Bei Auffassung und Entwerfung.dieser Idee war des Verfassers Absicht die Aufmerksamkeit des bauenden Publi- 
cums auch auf diesen Gegenstand von Gebäuden hinzuleiten, um denselben mit der Zeit ein äulseres geschmackvolleres 
Ansehn zu verschaffen, ohne dals ein merklich gröfserer Kosten-Aufwand als der bisherige, dazu erfordert würde. Dies 
könnte vorzüglich in den Gegenden der Fall seyn, wo ein überflülsig vorhandenes Stein-Materiale von Feld- oder Bruch- 
steinen vorhanden ist. Werden diese von ihrer lästigen, der Cultur derselben nachtheiligen Bürde befreiet, und die Feld- 
steine zum bauen verbraucht, so ergeben sich, selbst bei einer auf dem Bau verwandten größsern Summe Vortheile, die der 
letztern sicher das Übergewicht halten werden. Aufser der Amelioration der Felder, erhält man massive öffentliche Ge- 
bäude, deren Unterhaltung in der Folge weniger kostspielig, als derjenigen, die von Holz gebauet sind. Das Holz, ein für 
unsere Zeiten nicht genug zu schonendes Bau-Materiale, wird gespaart, und die Ansicht des Dorfes verschönert. 

Der Feldstein-Bau ist zwar zu Wohnhäusern, wegen des nachtheiligen Einflusses, den diese Steine durch ihr Ausdün- 
sten und Schwitzen auf die menschliche Gesundheit haben können, nicht zu empfehlen, zu Land-Kirchen aber, in wel- 
chen die Menschen sich nur auf eine kurze Zeit, und gewöhnlich wöchentlich nur einmal versammlen und nicht geheizt 
werden, füglich anwendbar. 

Bei ihrer Anwendung aber sehe man dahin, dafs sie nur zu dem innern der starken Mauern verwandt werden, und 
lasse übrigens die vier Ecken der Kirche die Thür- und Fenster-Einfassungen derselben, das Gesims und jeden übrigen 
Theil des Mauerwerks, auf welchen Stuck-Arbeit kommen soll, von Mauer- oder regulair behauenen Steinen anfertigen. 

a) Grundrils dieser Kirche um deren innere Einrichtung zu zeigen. 
b) und c) Zwei Monumente. Das erstere mit dem Sinnbilde des Schmetterlings ‘(Griechisch Psyche, Seele bedeutend) 
und das andere mit der gesenkten umgekehrten Fackel [auf das erlöschende Leben zielend.] 
d) und e) Zwei Abbildungen zu Altar-Leuchtern Candilabern. Reiche begüterte Kirchen können sie von Silber, ärmere 
hingegen von Zinn anfertigen lassen. Letztere als die einfachste Art würde, blo[ls von Birnbaum -Holz ange- 
fertiget, in einer Land-Kirche sich nicht übel ausnehmen. 


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Taf. II. 


a) und b) Zwei Altar-Abbildungen, Die erstere zu einer Protestantischen und die letztere zu einer Katholischen Land- 
Kirche. 


Da des Verfassers Absicht bei Entwerfung dieser Idee dahinging, denen Land- und Dorf-Kirchen-Altären mit we- 
nigen Kosten ein anderes geschmackvolleres Ansehn zu geben, als man bisher gewöhnlich anzutreffen pflegt, so kann die 
Ausführung des Vorbildes folgender Gestalt construirt werden. 


Das ganze Kanzel- und Altar-Gerüste (Wand) kann von unten bis oben von Kreuz-Holz verbunden und mit Bret- 
tern getäfelt, Gesims - und Leisten-Werk daraufgenagelt, und das Ganze in einem steinfarbigen Ton blos mit Leim-Farbe 
angestrichen werden. Die Kanzel hingegen wird wie Holz (mahagoni oder Birnbaumartig) colorirt, und die Verzierung 
bronceartig angestrichen. 


Die Glorie wird mit Flammen ins gelbrothe fallend gemahlt, und die Dreieinigkeit trausparant von gelben Glase 


angefertigt. 


Die Gardine über der Kanzel kann entweder von rothen oder bleumourant wollenen Zeuge l[eyn, und das zu einer 
Altar-Tisch-Decke bestimmte weils leinene Tuch mit gelben Frangen besetzt, und mit eben dergleichen Wolle unten 
durchstickt werden. Das Ganze wird bei wenigen Kosten sich anständig und gut ausnehmen. 


Das Altar-Blatt zu einer Katholischen Land-Kirche wird zwar wegen der Altar-Gemählde und der obern Figur et- 
was mehr Kosten als das vorangeführte verursachen, im übrigen aber den erstern gleich bleiben. 


c) und b) Sind Etrurische Verzierungen (Einschnitte). Sie können hin und wieder besonders unter Plafonds bei Dorf- 
Kirchen gemahlt, und ohne viel Mühe und Kosten angebracht werden. 


Taf IM. 


Ds: Hauptstück dieses Blattes ist eine in Berlin in der Friedrichs-Straßse sub. No. 63 befindliche Facade. 


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Das Gebäude ist zwar von keiner sonderlichen Grölse, jedoch sind die vor kurzem daran angebrachten Verzierun- 
gen seiner Grölse angemessen, und eben so schicklich in bräunlichen Ton ins graugrünliche übergehend mit Abstufungen, | 
abgeputzt; so dals sich dieses Haus unter den nebenstehenden gut ausnimmt, ein freundliches Ansehn gewährt, und das 


Anschauen in verschiedener Hinsicht, besonders in den Fenster-Verzierungen wohl verdient. 


Zu diesen Haus-Verzierungen mögen wohl mehrere junge Baumeister ihren Rath mitgetheilet haben, daher der Ver- 
fasser aulser Stande ist, den Künstler namentlich anzugeben. 


‚Auch soll das Innere dieses Hauses seinem Zweck gemäls sehr bequem eingerichtet, und kostbar ausgeziert seyn. 


Auf diesem Blatte sieht man ferner links die Verzieunrgen im Grolsen von der Thür- und Fenster-Einfassung und 


rechts die vom Band- und Fries-Stück; und endlich folgen zwei Rosetten, die auch bei Facaden hin und wieder gebraucht 
werden können. 


Tal. AV. 


a) b) c) und d) Verzierungen von Säulen-Fülsen. 

e) Verzierungen von einem Decken-Stück des Frieden-Tempels zu Rom. 

f) Verzierungen von einem dergleichen, eines Antiquen-Grabmalls. 

g) Dergleichen, von einem Plafond, so wie 

h) Eine Decken-Verzierung von den Bädern des Titus, sämmtlich entliehen aus J. N. L. Durand. Architect und Pro- 
fessor von der Ecole Polytechnique zu Paris. 


Diese Verzierungen sind hin und wieder bei Decken- und Wände-Mahlereien schicklich anzubringen, auch bei Fries- 
stücken und Bändern von Stuck, und Facaden, nicht minder würden Fayance-Fabriquen die zu ihrem Verkehr Mahlereien 
betreiben lassen, Gebrauch davon machen können. 

i) Ein Greif mit Arabesken verbunden, zu einer Bordt-Fries- oder Felder-Verzierung an Facaden. Entliehen aus Jo- 
nian Antiquities Chap. III. pt: VII. 

k) Ein Egiptischer Capiteel. 

1) Ein Egiptischer Löwe. 

m) Eine Sphinx. 

Mahomed verbot den Arabern in ihren prächtigen und glänzenden Verzierungen, jede Abbildung von Menschen und 
Thieren. In deren Stelle gebrauchten sie nun Sonne, Mond, Sterne, Schnörkel, Blumenzüge und dergleichen, die man 
noch an vielen Kirchen und an mehreren Gebäuden aus den mittlern Zeitalter antrifft. Hieraus ist die Benennung Ara- 
besquen, die auch zuweilen Moresken genannt waren, entstanden. 

Grotesken heilsen diejenigen Mahlereien, die aus allerhand Figuren und Gewächsen bestehen, und zu Bordten und 
gemahlten Wänden gebraucht werden. Ihr Name leitet sich von einigen Überbleibseln dieser Mahlerei, welche man zur Zeit 
des Pabstes Julius II unter der Erde, und Ruinen in dem innern der Grotten, und der Bäder des Titus fand. 

In gegenwärtiger Zeit, sind beide Namen vermischt, und man nennet gewöhnlich alle dergleichen abentheuerliche 
Zierrathen Arabesken, wenn auch Menschen und Thiere mit darinnen verwebt und aufgestellt sind. 

Das Egiptische Capiteel Litt: k. kann bei kleinen Garten-Gebäuden, wo sich schlanke Säulen mit Nutzen zierlich 
anbringen lassen, gebraucht werden, nur muls das übrige in gleichen Stiehl harmoniren. 

Der Egiptische Löwe Litt: 1. lälst sich bei allen solchen Stellen zweckmälsig anbringen, wo man sich eine Bewachung 
denken kann. Am häufigsten gebrauchten ihn die Egiptier bei ihren geweihten Tempeln. 

Über die Sphinx Litt: m. findet sich eine Erklärung in Damms Mythologie aufs neue bearbeitet von Conrad Leve- 
zow. Berlin 1803 pag. 124. $. 234. Nach dieser kann man abnehmen, dals diese Figur öfters gemifsbraucht, und an Stellen 
aufgestellt wird, wo sich öfters gar kein Sinn finden läfst, was man mit diesem halb als Mensch, und halb als Thier dalie- 
genden allegorischen Bilde sagen will. Unter mehrern Fällen dieser Art erzählt uns Fr. Nicolai im siebenten Band seiner 
Reisebeschreibung 1786 Ztes Buch pag. ı2 ein Exempel davon aus Nymphenburg. 

Zweckmälsig lälst sich dieses allegorische Bild nur da aufstellen, wo man im innern Geheimnisse und herrschenden 
Scharfsinn vermuthet, oder wo Bedrängte und über ihr künftiges Schicksal beunruhigte Menschen sich Raths erholen können, 
oder wollen. 


Valııv., 


M:: Bezug auf das zweite Heft Taf. IV. erfolgt unter Litt: a) und b) des Verfassers Idee über die Abänderung und Ver- 
schönerung des stehen gebliebenen 'Thurms vom abgebrandten Rathhause zu Kalisch in Südpreulsen. 


Es ist nunmehr alle Aussicht vorhanden, dafs das noch in Asche liegende Rathhaus bald eine andere Gestalt an- 


nehmen wird. 


Da man über das Project sowohl, als über die innere Einrichtung und über die äulsere Verzierung einverstanden 
ist, so ist die Bewilligung der Ausführung wohl nicht mehr zu bezweifeln. 


c) d) e) Sind Vorbilder zu Gothischen Gurth- und Band- Verzierungen. 
f) g) und h) Rosetten in eben diesen Geschmack. 


Alle diese Verzierungen können Stückweis von Ziegel-Masse (Lehm) geformt, und in Ziegel-Öfen mit gebrandt 
werden. Ein zu machender Versuch wird es erweisen, dals durch diese Methode nicht nur viele Kosten erspart, londern 
auch die Verzierungen eine grölsere Dauer erlangen werden, als die von Stuck angefertigten. 


Val. VE 


a) Vorbild zu einem Brunnen, in runder Form, mit einem Obelisc, an dessen einen Seite die Ausgüsse mit Löwen-Kö- 
pfen verziert sind. 


An den vier Seiten des Obeliscs können interessante alte Stadt-Nachrichten, oder auch die Meilen-Zahl derer der 
Stadt zunächst gelegenen Ortschaften bemerkt werden. 


Der Durchmesser des Brunnens kann nicht wohl über. r2 Fuls angenommen werden, weil eine grölsere Länge, Un- 
bequemlichkeiten und Abweichung des Wassers mit Gefälsen, zur Folge haben würde. 


b) Abbildung zu einem viereckigen Brunnen, in dessen Mitte, auf einem Piedestal eine Vase auf einer stufenförmigen 
Erhöhung befindlich ist. 


# An den vier Ecken des Wasserkastens sind auf Piedestale, Laternen auf eisernen Gestellen angebracht, welche in 
verschiedener Hinsicht, als bei nächtlich entstandenen Feuer, beim Wasserholen in der Nacht, nicht nur nützlich, sondern. 
auch zu einer zierlichen und schicklichen Beleuchtung auf einem Markt-Platz dienlich seyn können. 


Es versteht sich übrigens, dafs dergleichen Brunnen mit ununterbrochen fortlaufenden, und so hoch fallenden Was- 
ser nur in solchen Städten anzubringen sind, wo entweder Röhrenleitungen von entfernt höher liegenden Gewälsern, oder 
Wasser-Künste statt haben können. 


c) Grundrils zu”erstern. 
d) Grundrils zum zweiten Brunnen. 


e) und f) Vier antique Wasserkrüge, wovon sich die beiden grölsern bei kleinen Brunnen auf Piedestale gesetzt, wohl 
anbringen lielsen. 


g) Ansicht eines im Gothischen Geschmack verzierten Ziehbrunnens. Racknitz IV Heft und Kupfer pag. 40. 


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architectonischer 


äulserer und innerer Verzierungen 


angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


Herausgegeben 
von 


no RiesdeHh dm jüngern, 


Königl. Preuß. Geh. Ober- Bau - Rath. 


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u Prertbes Heft. 


Mit 6 Kupfertafeln in aqua tinta geätzt. 


Berlin, 1805. 


AufKosten des Herausgebers 


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Der Hauptgegenstand auf der ersten Kupfertafel ist ein Vorschlag zu einem Stadtthor. Auf beiden Seiten des Thores 
sind Flügelgebäude angebracht, deren Zweck unten näher beschrieben wird. 

Aulser dem besondern Charakter, welcher das Thor von jedem andern Eingange, von jeder blofsen Thüre, und von 
Bauwerken ähnlicher Art unterscheidet, oder wenigstens unterscheiden sollte, läfst sich vielleicht nicht unschicklich zugleich 
der Charakter, welchen die Stadt von dem Hauptgewerbe und Nahrungszweige der Einwohner annimmt, dadurch ausdrücken. 
Diese Absicht wird. wenigstens einem geschickten Architekten Stoff zu einer und der andern gut gewählten Verzierung des 
Thores darbieten, die daran zweckmäfsiger Platz findet, als so manche andere Schnirkeleien und Ornamente, von denen man 
nicht weils, welchen Bezug sie äuf Thor und Stadt haben können. Bei der vorliegenden Zeichnung hat man zunächst an ein 
Thor gedacht, welches den Haupteingang zu einer Handlungs- oder Manufactur- und Fabrikstadt macht. Der schlaue Mer- 
kur, von den Handels- und Geschäftsleuten der alten und neuern Welt olıne Widerspruch für ihren Schutzpatron erklärt 
und angenommen, also ein unverkennbares Symbol des Handels und der Gewerbe, zeigt deshalb von der höchsten Spitze 
des Thores in einer Statue, gerüstet mit allen seinen übrigen vornehmsten Attributen, [der kurzen Chlamys oder dem Man- 
tel leicht bedeckt, mit dem geflügelten Reisehut (petasus) und den geflügelten Sohlen an den Fülsen (talaria), 
in der linken Hand auch noch den Geldbeutel, theils als die unentbehrliche Triebfeder des Handels und der Gewerbe, 
theils als das erwünschte Resultat seiner Bemühungen anzusehen,] durch seinen schlangenumwundenen Heroldsstab (Caduceus) 
schon von fern den Reisenden den Weg zu dem Hafen des Glücks und des Reichthums. 

Eben so mögen von den Thoren einer Universitätsstadt z.E. Minerva, oder Apollo und die Musen, oder von den Tho- 
ren der Residenzstadt eines Fürsten, der Genius des Staats, (im Charakter der Land- und Städte-Genien der Alten, ‚etwa 
mit den nöthigen Abänderungen nach dem Muster der Dea Roma u. s. w.) dem eintretenden Fremden über den Charakter 
der Stadt selbst einenFingerzeig geben, den kurz und präcis gefalste Inschriften zur Noth noch bestimmter erläutern können. — 
Vor dem eben in Vorschlag gebrachten Thore hat man einen mit Bäumen und Gesträuchen bepflanzten Vorplatz, auf welchen 
die Landstrafse stölst, angenommen, eben so auch innerhalb auf der Stadtseite, theils auch um dem Ganzen mehr Annehm- 
lichkeit durch eine heitere Umgebung zu verleihen, theils auch um durch die Räume vor und hinter dem Thore das bey 
manchen Umständen und Ereignissen so gefährliche Gedränge der Menschen, Pferde un@® Wagen zu vermeiden. *) 

Unter a) und ce) sind Verzierungen gegeben, die in einem Thorbogen angebracht werden können. Sie heifsen Cas- 
setten, und werden entweder aus Stein gehauen, oder von Stucco gemacht, oder gemahlt. Die gemahlten gewähren frei- 
lich nur immer ein kahles, ärmliches Ansehen und sind eben nicht bey einem Gebäude zu empfehlen, das den Charakter 
der Solidität an sich tragen soll. Es würde daher eine unrecht angebrachte, tadelnswerthe Sparsamkeit verrathen, wenn man 
von ihnen bei einem solchen Gebäude Gebrauch machen wollte, welches zumal jedem Fremden gleich zuerst in die Augen 
fällt und ein Gegenstand seiner Aufmerksamkeit wird. 

b) Grundrils zum Thor und den beiden Flügeln. In dem einen Flüge kann die Wohnung der Accise- Bedienten und 
in der andern die Wachstube angebracht werden. Beide Flügel müssen in Absicht ihrer Grölse im gehörigen Verhältnils zum 


Hauptgebäude, dem Thore, stehen und im Innern nach Maalsgabe des darin unterzubringenden Personale eingerichtet 
werden. 


*) Der Herausgeber wagt es, den Wunsch zu äufsern, dafs ein verehrungswürdiger deutscher Fürst, der gegenwärtig im Begriff ist, seine Resi- 
denzstadt durch Wegschaffung zweckloser Schutzwälle zu verschönern und zu erweitern, seine Aufmerksamkeit den hier geäufserten Ideen schen- 
ken und davon einigen Gebrauch bei der neuen Anlage der Avenuen seiner dazu in vieler Hinsicht begünstigten Residenz machen möge, 


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Taf I. 


Die obere Hälfte der Platte stellt eine Gruppe von verschiedenen, im antiken Geschmack geformten Gefäfsen auf eine mar- 
morne Platte gestellt, vor. Sie können von verschiedenen Materialien verfertigt, zu mancherlei häuslichen Zwecken be- 
nutzt werden. Selbst als Prunkgefälse auf blolsen Putz- und Paradetischen können die im altgriechischen oder hetrurisch ge- 
nannten Geschmack gearbeiteten Gefälse dienen. _ Die hiesigen labriken der Herren Catel in Mosaik-Stucco, des 
Herrn Baron v, Eckartstein in Steingut = und Wedgwoodmasse, und die des Herrn Höhler in gebrannter Erde (terra 
cotta), liefern den Liebhabern alle mögliche Gattungen dieser Prunkgefälse in beliebigen Formen und mit geschmackvollen 
Verzierungen. 

a) und c) sind Wassergefälse, zunächst um Blumen darin aufzubewahren. 

b) Die Abbildung eines Gefälses zum Tischgebrauch, als Suppenschaale, Salatgefäls etc. 

Diese Hefte werden von Zeit zu Zeit zum Behuf derjenigen Fabriken, die dergleichen Gefäfse, von was für Materie 
auch immer verfertigen, einige Ideen zu solchen Gefälsen in den geschmackvollsten Formen und Farben mittheilen. 


—— 


III — 


D 


Taf. Ill. 


a) Project zu einer hölzernen Brücke, an. welcher die auf ohngefähr 40 Fuls liegenden Balken durch eine Bogen - Spannung 
getragen werden. x 

Diese Art Brücken kann man in Gärten, über Wasserläufe, Flüsse und Gebirgs-Bäche erbauen, ‚sie auch als Lauf-, 
Communications - Brücken und bey Karrensteigen mit Nutzen gebrauchen, vorausgesetzt, dals sie keine grülsere Breite als 
von 8 bis ıo Fuls erfordern. 

Die Construction derselben ist nicht schwierig, doch muls alles accurat ausgeführt und von kernichtem Holze bearbei- 
tet und genau verbunden werden. 

Es werden nämlich 5 Balken von einem Ufer zum andern auf Stirnjoche und Kammschwellen über gestreckt. Die 
4 Ortbalken oder äulsern Balken werden bis auf einen Fuls Weite zusammengerückt, und auf jeden der 4 Balken wird ein 
Bogen, welcher doppelt von zweyzölligen Bohlen verfertiget wird, mit einer Versetzung aufgestellt. An diese Bogen werden 
die 3 Unterzüge, welche die Balken tragen, vermittelst Bolzen angehangen, und zwar dergestalt, dals über die beiden Bo- 
genstücke kurze Jochhölzer greifen, durch welche in der Mitte der Bolzen gehet. 

Dafs der Bolzen auf der Abbildung vor dem Balken zu sehen, ist falsch;. er muls hinter den Balken gehen, auch. 
sind die Jochhölzer vergessen, ‚welches die Schuld des Kupferstechers ist. Pie: 

Um das Schwanken der Bogen zu verhüten, ist nothwendig in der Mitte solche durch einen hoch übergespannten 
eisernen Bügel in ihrer Richtung zu erhalten, worauf, wenn die Brücke in einer Stadt erbauet wird, eine Laterne gesetzt 
werden kann. : z . 

Herr Geheime Oberbaurath Gilly wünschte diese Bauart gemeinnütziger zu machen und liels zu dieser Absicht ein 
Modell auf eine Spannung von 60 Fuls anfertigen. Nach einer davon genommenen Zeichnung benutzte der Herr Bauinspec- 
tor Riedel zu Bayreuth dieses Project zur Construction zwei ähnlicher Brücken auf mehr als 50 Fuls Spannung über die 
Eger und den Mayn mit dem besten Erfolge. Auch liels der Herr Geheime Oberbaurath und Direktor Riedel der ältere 
in ähnlicher Bauart die sogenannte bunte Brücke in Preuls. Minden aufführen. 


b) Vorbild zu einer eisernen Brücke. 

Wird eine Brücke von dieser 'Art in englischen Gärten angelegt, so ‘dafs abwechselndes Grün sie umgiebt, dann 
macht sie einen guten Effect; ist aber die Brücke ansehnlich lang und hat zur Spannung einen ‚vollen Bogen mit möglichst 
weniger Verzierung, so gränzt sie an das Kühne und erregt Bewunderung; so wie diejenigen, welche man in England fin- 
det. Wie überhaupt die eisernen Brücken durch die scheinbare leichte Verbindung ein gefälliges Ansehen gewinnen. 

c) Eine hölzerne Brücke, bei welcher angenommen wird, dafs sie das Ansehen einer massiven haben soll. Es wird 
nehmlich eine Bretter-Verschalung auf dem Holzverbande befestiget. Auf diese wird, ein durch Oehlfarbe und darauf gesieb- 
ten Sand gefertigter Überzug getragen, wodurch scheinbar das Ansehen einer steinernen Brücke bewirkt wird. Diese Art 
Brücken findet man hin und wieder, da sie sich mit wenigen ‚Kosten in grolsen Gärten und Parks anbringen lassen, 
wenn sie weniger als Stralsenbrücken gebraucht werden. 

d) Zeichnung zu einer Brücke mıt einer Öffnung von ohngefähr 20 bis 24 Fußs. 

Was bei c) gesagt worden ist, kann hier auch gelten. Wird aber die Brücke massiv, so ist sie bei Chausseen, Land- 
stralsen und auch in den Stralsen einer Stadt zu gebrauchen; nur müssen die durchflielsenden Gewässer von der Beschaffen- 
heit seyn, dafs sie nicht hoch anschwellen, sonst mülsten in diesem Fall die Stirn- und Wiederlagsmauern nach dem ausge- 
mittelten höchsten Wasserstande erhöhet werden. 

e) und f) Zwei Abbildungen zu Thorwegen,“ die sich besonders bei Eingängen in großse Gärten, Parks, Burgen, 
Kirchhöfe, Hofplätze und in ähnlichen Fällen anbringen lassen. 

Auch würde sich die letztere Idee zu einem Thore bei einer Provinzial-Stadt hin und wieder anbringen lassen, nur 
mülste die mittlere Öffnung verhältnilsmäfßsig zum bequemen Ein- und Ausfahren der breitesten und höchsten Wagen, er- 
weitert und erhöhet werden, welche Abänderung einem Sachverständigen nicht schwer werden kann. 

g) und h) Vorzeichnungen zu Geländern, Einfassungen, die man an solchen Stellen anbringen kann, wo man Si- 
cherheit gegen das Hinabstürzen beabsichtigt. 

8) ist von Holz zu machen und 

h) lälst sich sowohl von Stein als Holz verfertigen; nur mu[s man dem Geländer im letztern Fall einen steinfarbigen 
Anstrich ertheilen; weil es sonst als hölzernes Geländer zu schwerfällig scheinen würde. Es versteht sich aber, dafs ein 
steinernes Geländer von etwa 3 bis 3% Fuls Brüstung nur dann guten Effekt macht, wenn die Dicke desselben wenigstens 
zu $ Zoll genommen wird; oder wenn hier die Dicke so breit ist, wie die breite Öffnung im Lichten. 

i) Ist eine eingeschnittene Verzierung. Diese Verzierungen nehmen sich dann nur gut aus, wenn sie entweder et- 
was dunkler als die Grundfarbe der ganzen Facaden-Fläche mit Schatten gemahlet, oder wenn die Einschnitte wirklich 
gemacht sind. Im letztern Falle dürfen die Einschnitte aber nicht senkrecht in die Fläche hinein geschehen, sondern mehr 
in runder Aushöhlung, weil dieses Laubwerk zu breit ist. - 

! Es ist auffallend, dafs man jetzt an manchen Orten mit dieser Verzierung so freygebig und oft geschmacklos umge- 
het, sie gewissen Theilen des Gebäudes anpalst, wohin sie gar nicht gehöret. Noch auffallender wird es, wenn sie, wie 
man häufig wahrnimmt, mit schwarzer Farbe auf rothem oder gelbem Grunde gemahlt werden. 

Einzeln und abgesondert von Rosetten, Köpfen, Sphinxen und dergleichen, nehmen sich diese Verzierungen sehr 
gut aus; nur sollte man sich hüten, erhobene Arbeiten mit diesen Vertiefungen nahe an einander zu setzen, oder wohl 
gar in einander zu vermischen. Daher sich ein junger Bau-Meister bei Entwerfung von Facaden vor dergleichen unpassen- 
den Verzierungen zu hüten hat. 


Taf. IV. 


Diese Kupfertafel stellt sechs verschiedene Verzierungsarten von Eingängen und Thüren dar. 

Unter a) sieht man die Abbildung einer Thürverzierung, welche wegen ihres ernsten Charakters sich besonders bey 
Mausoleen, Begräbnifscapellen, Denkmälern, Tempeln und selbst bey kleinern im modernen einfachen Geschmack erbauten 
Kirchen anwenden läfst. 

b) Ebenfalls eine Eingangsverzierung nebst der 'Thüre selbst, zu einem herrschaftlichen Landhause. 

c) Ein Thürstück im Egyptischen Styl, entlehnt aus Denons Werk über die Alterthümer Egyptens. *) Denon fand 
mehrere dieser Art im Äufsern und Innern der Tempel besonders zu Tentyra. Der Charakter des Mysteriösen oder Ge- 
heimnilsvollen, den sie durch die daran angebrachten Verzierungen, Sphinxe, **) Hieroglyphen, **) die über dem Ein- 
gange sichtbare Kugel, welche von zwei Schlangen umwunden wird, ****) erhält, machen eine solche Verzierung nicht un- 
passend für Eingänge in Zimmer und Säle, in welchen gewisse Geheimnisse aufbewahret oder gefeiert werden, z. E. in 
Logensälen der Freimaurer. — Bei ihrer Ausführung muls alles Grelle und Bunte in Farben !vermieden werden, um den 
Eindruck des Ernsten und Feierlichen dadurch nicht zu vermindern. 

d) und f) zeigen Vorbilder zu Thürgewändern reich verzierter Facaden. 

e) Ein verzierter Giebel eines herrschaftlichen Landhauses. Der dabey angebrachte Balkon‘, kann so benutzt werden, 
dafs man vermittelst einer anzubringenden Treppe, gleich aus ‚dem Hause von der Giebelseite nach dem Garten kommen 


kann. 


*) Voyage dans la basse et la haute Egypte pendant les campagnes du G&neral Bonaparte par Fivant Denon & Paris 1802 
Text 4 und Plans fol. maxim. 

*®) Das esyptische Symbol der Vollkommenheit, an den Eingängen der Tempel oft Symbol des höchsten Wesens selbst; der Stärke und Weisheit, 
auch des Räthselhaften und Geheimnifsvollen bey den Griechen. 

***) Heilige Bilderschrift, die dem frühesten Alterthum vor Erfindung der Buchstabenschrift zur Bezeichnung ihrer Vorstellungen, Gedanken etc. dien- 
te, späterhin aber von den Egyptiern mit einigen Veränderungen zur Einhüllung wissenschaftlicher und religiöser Geheimnisse beibehalten wurde, 


***#) Das Symbol der Gottheit und der Natur; die heilige Schlange wurde von den Griechen Agathodämon genannt, 


Talı.W; 


Vier Facaden zu Gartengebäuden. 


a) Facade zu einer Sommerwohnung, welche in einem Park am Wasser steht. Bei einer Länge von ungefähr 50 Fuß und 
einer Tiefe von 40 Fuls lassen sich schickliche und bequeme Gemächer, wie sie bei einem kurzen Aufenthalt in einem 
Park am Wasser für die Sommerzeit erforderlich sind, im Innern einrichten. 

b) Diese Facade einer Giebelseite kann für ein Bibliothekgebäude, oder für ein Studier- und Lesecabinet in einem 

englischen Garten gebraucht werden. Zu den beyden vorgestellten Statuen kann man ein Paar Musen, etwa die in ihr Ge- 
wand eingehüllte, sinnige Polyhymnia und Urania, oder Klio und Kalliope, oder Melpomene und Thalia, oder Terpsichore 
und Erato oder Euterpe wählen, je nachdem Stand und Lieblingsstudien durch das eine oder das andere Paar der genannten 
Musen näher bezeichnet werden. 5% 

Am Eingange im Innern oder zwischen den Bücherschränken finden füglich Büsten von berühmten Gelehrten, Weisen 
des Alterthums, oder der neuern Zeit ihren Platz, z. E. Homer, Plato, Sokrates, Cicero, Virgil u. s. w. Der Fries kann 
Arabeskenartig mit den ächt antiken Attributen der verschiedenen Musen bemahlt werden; auch die Decke erhält zur Zierde 
z. E..die gemahlte Vorstellung von der Vergötterung Homers, wie sie auf dem trefflichen Relief, ehemals im Hause Colonna 
zu Rom, befindlich ist. 

» ec) Facade eines Land- oder Gartenhauses, welches zwischen einer Bewährungsmauer an einen Garten und an eine 
vorübergehende Stralse stölst. 

d) Landgebäude zu einem Sommeraufenthalt bestimmt, von denen das Wohngebäude der Herrschaft mit der Hinter- 
fronte nach dem Garten, die Vorderfacade aber nach einem mit Quadern gepflasterten Vorhofe zu, worauf ein Obelisk (der 
als Brunnenverzierung zu benutzen ist) und an den Seiten zwei oder mehrere Gebäude für Ssmofficianten und die übrige 


Ökonomie, zu stehen kommen. 


» 


Taf. VL ; 


a) Das Haupistück dieses Blattes ist die Facade eines Gebäudes in der Brüderstralse zu Berlin (Nro. 40.), welches vier Eta- 
gen hoch und vier Fenster breit ist und zwischen zwei andern Nebengebäuden dicht eingebaut ist. In dem untersten Ge- 
schols ist ein französischer Buchladen befindlich. 

Der Herausgeber hat sich in der Mittheilung dieser Facade, wie man sieht, 'einige Abänderungen erlaubt. Er hat die 
Fronte durch Zusatz eines Fensters breiter gemacht und ihr durch Weglassung der vierten Etage ein schicklicheres Verhält- 
nils zu geben gesucht. Die angebrachten Verzierungen, der Anstrich und die Einfassungen der Fenster nehmen sich in der 
Ausführung sehr gut aus, und würden noch bessern Effect machen, wenn das Gebäude in einer breitern und hellern 
Stralse stände, 

Beim Anstrich eines Gebäudes ist, in Hinsicht auf Wahl der Farbe, vorzüglich darauf Rücksicht zu nehmen, ob die 
Facade wenig oder gar nicht von dem Sonnenlichte beleuchtet wird und in einer finstern engen Stralse steht, oder umge- 
kehrt. Im ersten Fall müssen alle Farben heller gehalten werden. 

Über die Methode des Anstreichens, so wie über die ungefähren Kosten desselben, wird der. Verfasser künftig bei 
vorkommenden Fällen ein. Mehreres sagen. 

Übrigens ist zu bemerken, dafs die Zeichnung zu der’vorhin angeführten Fagade des Hauses in der Brüderstralse zu 
Berlin vom Herrn Geheimen Ober-Baurath Simon verfertigt seyn soll. 

a) und c) sind Ideen zu Facaden, die ein Architekt nach den hier nur theilweise angegebenen Partieen feichen ganz 


ausfüllen, theils partieenweise benutzen kann. 


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äulserer und innerer Verzierungen 


für 


angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


Herausgegeben 
von 


m Riedel dem jüngern, 


Königl. Preuß. Geh. Ober- Bau- Rath. 


Fünftes Heft. 
Mit 6 Kupfertafeln in aqua tinta geätzt. 


MT TRITT III: 


DAMIT DIDI CIIDIDII TAI am 
Berlin, 18035. 


AufKosten des Herausgebers 


Tach 


Der Hauptgegenstand auf dieser Tafel besteht in der Abbildung einer protestantischen Dorf-Kirche. Ihre Länge beträgt 50, 
die Tiefe 38 und die Höhe 22! Fuß. Die Größe derselben ist, nach den feststehenden Prinzipien, die im Zten Hefte, bey 
Taf. I. angeführt sind, nur auf 200 Personen berechnet. Dieses Kirchengebäude ist so konstruirt, dafs die Chöre und die 
Decke vermittelst zweier Unterizüge unterstützt und getragen werden. Auf einem doppeltstehenden Dachstuhl ruht ein ordi- 
naires Winkeldach. 

Mancher reiche Gutsbesitzer bestrebt sich, so wohl sein Wohnhaus als auch seine Wirthschaftsgebäude, theils in öko- 
nomischer Hinsicht bequem, vortheilhaft und solide, theils dem Zeitgeschmacke gemäls, auch von Aulsen und Innen an- 
ständig und zierlich zu erbauen. ‘Warum sollte man auch nicht nach gerade anfangen, auch in letzter Hinsicht den Kirchen 
und den mehrentheils daneben befindlichen Begräbnifsplätzen eine angemessene Gestalt zu geben? Wenn gleich beide nicht 
zunächst für den zeitlichen Vortheil berechnet sind; so gereicht erstere dennoch einem Dorfe oder Flecken überhaupt zur 
hervorstechendsten Zierde, und ihre Anlage kann, so wie die des Begräbnifsplatzes, ein ehrenvolles Zeugnils für den Ge- 
schmack, die Bildung und das Gefühl des Orts- Besitzers und des Erbauers ablegen, welches denn doch wohl einen grolsen 
Theil der freilich dem Gutsherrn allein anheim fallenden, indessen auch nicht sehr beträchtlich vermehrten Kosten der Ver- 
schönerung aufwiegt. Übrigens beziehe ich mich in Absicht der vortheilhaften Bauart einer solchen Kirche auf das, was ich 
bereits im Zten Heft bey Taf. I. von einem solchen massiven Kirchenbau gesagt habe. — 

Wenn gleich hier nur von einem Dorf-Kirchhofe die Rede ist und auf diesem selten andere Denkmäler gefunden 
werden, als hölzerne Kreuze und bretterne Gedächtnilstafeln und Grabeinfassungen, so habe ich dennoch in der Zeichnung 
auf den Kirchhof eines gröfsern Fleckens oder einer Stadt Rücksicht genommen und einige steinerne Monumente mit zweck- 
mälsigen Bepflanzungen angedeutet. Sie erhöhen nicht nur den mahlerischen Anblick eines Begräbnifsplatzes, sondern sind 
auch bey einer klugen Wahl vermögend, die Gefühls-Stimmung des Menschen, der sie besucht, zu vermehren. Hängebir- 
ken, Trauer- oder babylonische Weiden, italienische Pappeln, hochstämmige Rosenstöcke, Wintergrün u. s. w. mögten hier- 
zu vorzüglich geschickt seyn. Wie widerlich ist oft für das Gefühl der Anblick mancher Begräbnifsplätze, wo man nichts 
als einen nackten, kahlen Wald schlechter Monumente sieht, die oft noch abentheuerlich genug mit Gold, dem lästigsten 
Putze von allem an einem solchen Orte, über und über verbrämt sind! Und wie ganz andere Empfindungen bemächtigen sich 
unserer, wenn wir einen so musterhaften Begräbnifsplatz betreten, wie der vor den Thoren Dessau's! 

a) und c) sind Vorbilder zu Taufbecken, die von Holz oder Stein gefertigt und selbst zum Transportiren einge- 
richtet werden können, um solche etwa vor dem Altar in einer dazu anzulegenden Öffnung von 4 bis 5 Zoll im D aufzustel- 
len. Nach verrichteter Taufe kann man sie wieder bequem fortnehmen und an den Verwahrungsort bringen. 

b) ist der Grundrifs zur Kirche; um doch einigermalsen die innere Einrichtung anschaulich zu machen. Ich nehme 


hierbey Bezug auf meine Vorrede zum ersten Heft. 


Tal I. 


Diese Facade ist von einem Hause entlehnt, welches hier in Berlin in der Behrenstralse steht und mit Nr. 23. bezeichnet 
ist. Man hat sich dabey keiner Abweichungen vom Original erlauben wollen, weil die Etagen und die Verzierungen in ei- 
nem schönen Verhältnils stehen und im Ganzen sich gut ausnehmen. Auch der Abputz ist solide und der grolsen Fläche 
der Facade eben sowohl als den Verzierungen angemessen. 

“Herr Bauinspector Förstner soll die Zeichnung zu dieser Facade verfertigt haben. 

a) ist die Verzierung im Grolsen, welche in den vertieften Feldern, an der erwähnten Facade angebracht sind. 

b) c) und d) sind Verzierungen, die sich bey Facaden auf Bändern oder Gurten schicklich und mit Bezug auf das, 
was im Gebäude betrieben wird, anbringen lassen. 

Bei dieser Gelegenheit ein Paar Bemerkungen über den Anstrich der Gebäude. Ein häßslicher Anstrich kann 
selbst bei der schönsten Facade alles verderben, und die zweckmälsigst gewählten Verzierungen in den Augen des Sachken- 
ners und des Layen in ein falsches Licht setzen. Es ist daher nöthig, dals der Baumeister selbst die Farbenmischung ver- 
stehe, um denen, die den Anstrich verrichten sollen, darüber gehörige Anweisung zu geben, auch selbst die Farbe nöthi- 
gen Falls zu mischen und an der Mauer Probeanstriche zu machen. Diels ist um so nöthiger, da in grolsen Flächen im 
Freien und nach geschehener Abtrocknung sich ofimals die Farben ganz anders ausnehmen, als auf dem Papier, oder in den 
Gefälsen, worin sie gemischt werden. 

Die Farben zum Abputz oder Anstrich müssen immer so gewählt und gemischt werden, dafs sie den Steinfarben 
möglichst gleich kommen. Jiels möchten wohl, in der Regel sehr blals gehalten, ‚die ins grün- graue, grün-bräunliche und 
gelbröthliche fallenden Farben seyn. Vorstehende Theile können zuweilen in einem hellern Tone stehen bleiben; doch 
Inufs dieser nicht zu hell und grell ausfallen, weil sonst das Ganze dadurch zu bunt aussieht. Aber alle brennende Farben, 
wie man sie leider sehr häufig “wahrnimmt, z. B. Zimmt- oder Rhabarberfarbe, Roth, Orange, oder Hellgrün oder brennend- 
Gelb, müssen vermieden werden; denn sie beleidigen das Auge, zumal im Sonnenscheine und verrathen einen Mangel an 
Geschmack und gebildetem Gefühl, 

Den Sockel oder die Plinte des Hauses, kann man mit einem dunkleren Ton der Hauptfarbe anstreichen, um die 
darüber stehende Etage zu releviren und auch dem Fundament und Erdgescholse dadurch das Ansehen einer grölseren Festig- 
keit zu geben. Soll die Farbe Granitartig gehalten werden, so kann man sie aus dem braunröthlichen ins bläulichte, oder 
aus dem ganz dunkelgrünen ins bläulichte übergehen lassen. 

Zum Anstrich überhaupt bedient man sich folgender Farben: 


I. Zum bräunlichen Anstrich: 

a. gebrannter Oker 

b. röthliche Farben Bolus oder englisch Roth, auch Kupferroth. 

c. schwarze Farben. Rufls oder Rahm, frankfurther Schwarz, oder Elsenkohlen. Pulverstaub ist in so fern nicht an- 
zurathen, weil der darin befindliche Salpeter die Feuchtigkeit an sich zieht und die schwarze Farbe des Pulvers lediglich nur 
von der ihm beigemischten Kohle herrührt. 

d. Auch Umbra, und zum röthlichen Anstrich mit etwas Oker vermischt. 


II. Zum grünlichen Anstrich: 
Grüne Erde (terre verte) mit etwas Schwarz versetzt. 
Bei Gartenhäusern und ähnlichen Gebäuden kann diese grüne Erdfarbe ohne Zusatz angewendet werden. 


III. Zum gelblichen Anstrich: 
a. Oker oder gelbe Erde. 
b. Weilskalk. 
c. Etwas weniges Schwarz oder Roth. 


IV. Zum röthlichen Anstrich: 
a. Bolus, oder englisch Roth, oder Kupferroth. 
b. Etwas gelblicher Oker und 
c. Etwas Schwarz Kohlenstaub u. s. w. 


Die Zubereitung der Farben geschieht in der Art, dafs man zuerst die gewählten Farben gehörig mit Wasser abreibt, 
dann sie mit Weilskalk versetzt, und unter beständigem Umrühren mit Zusatz von Weilskalk und Wasser verdünnt, bis man 
nicht nur die erforderliche Quantität, sondern auch den rechten Farbenton hat. 

Soll ein altes Gebäude abgeputzt werden, so muls man den alten Anstrich vorher abreiben. Man bezahlt alsdann 
für die OR. abzureiben, hin und wieder den Abputz auszubessern, zu schlemmen und anzustreichen (exclusive der Farben) 


inclusive des Auf- und Abrüstens, für die ıste Etage ı rthl. für die IR. 
ae — ı1— Sg — — 
de — 1—- m — — — 
Die Quadratruthe blofs anzustreichen,, exclusive der Farben, kostet sgr. 
Für ı DR. neuen Putz auf roher Mauer wird bezahlt an Arbeitslohn = - 3 20 gr. 
Für Kalk und Sand = - - - - - - - - - - ırthl. 2— 
Anzustreichen, exclusive der Farben N Ft SR TE 2 Se 
a— 6- 
Für die Rüstung hinzuschaffen, zu halten und wieder wegzuschaffen, ıste Etage - 20 gr. 


3rthl. 2 gr. 


Für die 2te oder Zte Etage e - = 
ols mit Ausnahme der Farben auf 


En u 7 RENNER N 2 15 ae, EEE 1 

Folglich kostet ı OR. Abputz mit Anstrich und allem was dazu erforderlich ist, bl 

der rohen Mauer, 5 Etagen hoch, Zrthl. 14 gr. 

Hiervon ist natürlich dıe Stukkaturarbeit ausgeschlossen, die entweder Fulsweise oder Stück - und Felderweise 
bezahlt wird. 


Anmerkung 1. Den Bauherren mögte übrigens aus leicht zu errathenden Gründen sehr anzurathen seyn, dergleichen 
Arbeit vorher obigen Sätzen gemäls zu bedingen. 


Anmerkung. 2. Man sieht hier in Berlin von dem, als geschickten Zimmermahler bekannten Herrn Ringsleben, 
(wohnhaft Leipziger Strafse Nr. 80.) verschiedene Facaden sehr zweckmälsig und geschmackvoll angestrichen. Er ver- 
steht nicht nur die Farben dauerhaft, sondern auch in so verschiedenen Niüancen zu mischen und aufzutragen,, dals 
solche sich Stufenweise gehörig absetzen und mit den am Hause befindlichen "Verzierungen ein sanftes, dem Auge 
wohlthuendes Ganzes bewirken. Auch hat dieser dienstfertige Mann schon manchem in den Provinzen mit gemischten 
Farben zu obigem Behuf in Fässer gepackt, ausgeholfen und ist auch erbötig, fernerhin damit den Auswärtigen zu 
dienen, wenn ihm nur die Dfläche der Facade mit ihren Abtheilungen und Verzierungen, wegen der benöthigten 


Quantität der Farben, ungefähr angegeben wird. 


Tel IM. 


Facade zu einem Laandhause für den Sommeraufenthalt. 
*“ "Wenn man bei dem Entwurf dieses Gebäudes sich einige Abweichungen von den hergebrachten Formen und Ver- 
zierungen erlaubt hat, so ist man überhaupt dabei der Meinung gewesen, dals Anomalien dieser Art bei Gebäuden leicht 
verzeihlich seyn mögten, die dazu bestimmt sind, uns den schönsten, heitersten, aber auch geringsten Theil des Jahres in 
unserm nordischen Klima in sich aufzunehmen und uns den von den Widerwärtigkeiten der rauhern Jahreszeit bedrängten 
Aufenthalt in unsern Städten auf eine kurze Zeit, so viel wie möglich, vergessen zu lassen. Einigermalsen frei und unge- 
bunden, wie die schaffende Hand der sie umgebenden Natur es ganz ist, mag auch die verzierende Hand des Auch 
tekten seyn, der diese Gebäude mit dem Charakter der Natur, welche sie umgiebt, in Harmonie zu bringen bemüht 
ist. Die’ Abweichung der vier kunstlosen und doch nicht unzierlichen Säulen, welche die vor der Thür befindliche 
Vorhalle unterstützen, von der gewöhnlichen Form unserer Säulenordnungen mag daher nicht nur ihre Entschludigung, 
sondern auch ihre Rechtfertigung in jenem angenommenen Grundsatze finden. Eine getreue Beobachtung des darin herr- 
schenden Verhältnisses bei der Ausführung wird aber ein wesentliches Erfordernils se n, um dem Auge etwas Gefälliges dar- 
zustellen. Ein ähnliches Kapitäl, als diese Säulen haben, findet sich schon im $ten Heft auf Taf. IV. 

Es lassen sich übrigens in diesem Gebäude und in ihm ähnlichen, bei einer ungefähr anzunehmenden Tiefe von 42 bis 
44 Fuls alle erforderliche Bequemlichkeiten im Innern anbringen, die man zu einem angenehmen Sommeraufenthalte bedarf. 
Aber vornemlich muls der Baumeister dafür Sorge tragen, däls das flache Dach (Platteform) wasserdicht, mit Kupfer, Blei 
oder Eisenblech eingedeckt wird, weil sonst Dauer und Bequemlichkeit beeinträchtigt werden muls, so bald hierbey fehler- 
haft verfahren ist. Weshalb anzurathen seyn mögte, etwa nicht zu schwaches Rollenblei zur’ Eindeckung zu nehmen, da die 
Erfahrung schon zum grölsten Nachtheil der Gebäude gelehrt hat, dafs das gewöhnliche #5 — rz Zoll starkes Blei nichts taugt, 
sondern dals das Blei wenigstens : Zoll stark seyn ınuls. 

a) und c) sind die Verzierungen im Grolsen, welche auf dem Brüstungsgurt der Facade angebracht sind. Wie man 
dergleichen Arbeiten von Gyps dauerhaft und Wetterfest verfertigen müsse, darüber ist bereits im ersten Heft das Nöthige 
bemerkt worden. 

b) Verzierungen im Grolsen auf dem Friesstück hinter der Säulenstellung. 


Tas IV. 


Das Hauptstück auf diesem Blatte ist eine Facade zu Berlin in der Breiten Stralse unter Nr. 350. Der Entwurf hierzu soll 
von dem verstorbenen Professor Fr. Gilly, angefertigt seyn. 

In dem Erdgeschols sind Kaufmannhs-Läden angebracht, in dem sich durch die Glasthüren die zierlich gestellten und 
geordneten Galanterie-Waaren sehr reitzend ausnehmen. 

Wenn gleich das Gebäude gegen seine Höhe von 4 Etagen nicht die angenehmste Breite hat, so nimmt sich die 
Facade dennoch iu der sehr Breiten Stralse zwischen den neben stehenden hohen Gebäuden gut aus. Der in einer milden 
und gefälligen Farbe angebrachte Anstrich trägt besonders dazu viel bei. 

a) Eine Rosette mit einem Löwen-Kopf und Frucht- Gehänge, welche Dekoration bei Verzierung von Pfeilern schick- 
lich zu benutzen ist. 

b) Kapsel - Rosette mit Einschnitten, nebst einem Gehänge von Eichenlaub; beide lassen sich bei verschiedenen Ver- 
zierungen bürgerlicher Wohngebäude gebrauchen. 

c) Darstellung von einem mit einem Bande bewundenen Lorbeerkranz, welcher zur Dekoration von Militair-Gebäuden, 
Thören u. dgl. als Anspielung auf den Preis des Sieges, des Ziels aller militairischen Bestrebungen, anwendbar ist. 

d) Eın Paar Fruchthörner, die sich bei ländlichen Gebäuden, Garten -Häusern und ähnlichen, zum Dekoriren schick- 
lich anwenden lassen, als Symbole der Fruchtbarkeit und des ländlichen Reichthums. 

e) und f) Abbildungen von Prell-Steinen vor Thorwegen und dergleichen, die man auch zugleich benutzen kann, um 
Laternen mit eisernen Trag-Gerüsten darauf zu stellen. 


u III DOIOIITTT 


Daß 


a) und c) Vorbilder zu Obst- Gefäfsen, die man entweder mit natürlichen Früchten füllen lassen kann, oder die ganz mit 


sammt dem Obst von gleicher Masse gefertiget werden. 
Dergleichen Gefälse lassen sich besonders schicklich in Speise-Sälen anbringen, auch als Aufsätze auf servirten Ta- 


feln, vorzüglich bei Dejeunes, gebrauchen, 

b) und g) sind Zeichnungen zu Garten-Bänken. Bei der ersten sowohl als der letzten sind zur Wahl verschiedene 
Formen von Blumen-Töpfen aufgestellt, worin man natürliche Blumen oder Strauchgewächse in die Erde pflanzen, oder 
worin man auch in täglich erneuertem frischen Wasser mancherley Arten von Zwiebeln aufbewahren kann. 

Diese Art verzierter Bänke würden sich in Gärten oder Parks, besonders an denjenigen Stellen, wo eine freie und 
weite Aussicht statt hat, gut ausnehmen; die kleinern unter 

f) und h) hingegen, in dichten Gesträuchen und Boskets. Auch könnte man sie zu Ruhestellen auf Chausseen anbrin- 
gen; da ihre einfache Form nicht kostspielig ausfällt und sie dem ermüdeten Wanderer äufserst wohlthätig und einladend seyn 
würden. Es ist leider an unsern Landstralsen und Chausseen ein nur zu oft vom Wanderer gefühlter Mangel an bequemen 
Ruhebänken.. Boden und die Nässe desselben erlauben nicht immer dem Ermüdeten unmittelbar auf der Erde sich einen 
Ruheplatz zu suchen, wenn auch selbst eine schöne Aussicht ihn noch so sehr einladet, auf einer oder der andern Stelle des 
Weges etwas zu verweilen. 

d) und e) sind Abbildungen von Blumen-Gefälsen; ersteres um darin als in einem Kruge Blumen im Wasser aufzustel- 
len, letzteres hingegen ist ein Blumen-Korb. 

Alle diese Arten von Gefälsen können, wie schon im /ten Heft Taf. II. erwähnt worden, auf Bestellungen sehr ge- 
schmackvoll in der hiesigen Steingutfabrike des Hrn. Barons von Eckartstein, wie auch in der Höhlerschen Ofenfa- 


brike verfertiget werden. 


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Taf: Vl 


a) Decken-Stück im Tempel der Sonne zu Palmyra, aus Durand Taf. 76. 

b) Ein ähnliches aus einem Tempel zu Nimes in Niederlanguedoc, aus Durand Taf. 76. 

c) Desgleichen ein Decken-Stück aus einem Tempel zu Palmyra, aus Durand Taf. 76. 

Da Stukkatur- Arbeiten an Decken (Plafonds) wieder in Aufnahme kommen, so können diese drei Decken - Stücke 
so wohl für Stukkatur- Arbeiter als für Staffier-Mahler zur Nachahmung in einzelnen Fällen dienlich seyn. 

d) Ein Thurm von den 3 Thürmen des Doms zu Mailand. Der Bau dieser Kirche wurde im Jahr 1336 angefangen. 
Entlehnt aus Durand Taf. $. 

e) Neben-Thürmcehen an den abgestumpften Ecken eines grolsen Thurms angebracht. 

Diese Art Thürmchen kann bei Gartenhäusern vorzüglich aber zu Brunnen - Bedeckungen im gothischen Geschmack 
angewandt werden. 

f) und g) Zwey Rosetten, welche über den grolsen Portalen gothischer Kirchen angebracht wurden. Sie sind ge- 
wöhnlich von Stein und durchbrochen, so dals sie zugleich als Fenster dienen. Bisweilen trift man sie sehr grols an, und 
dann haben sie öfters 8— ıo Fuls im Durchmesser, welches bei sehr grolsen Gebäuden in diesem Styl einen guten Effekt 
hervorbringt. Dergleichen Rosetten nehmen sich daher so wohl durchbrochen von Stein oder Holz gefertiget, als auch 
mit buntem Glase ausgesetzt, sehr gut aus, so bald sie nur am rechten Ort angebracht sind. 

h) Ein gothisches Thürmchen, welches sehr gut bei Land-Kirchen im gothischen Styl, von Holz gefertiget, mit we- 
nigen Kosten errichtet werden kann. 

ij) Ein Tabernakel. Gewöhnlich stellte man im Mittelalter einen Heiligen in Lebensgröfse auf einem Postament dar- 
unter. Man trift deren noch verschiedene von der Art an, die theils von Holz, theils von Stein ausgearbeitet sind. Diese 
Verzierungen stellten das vor, was die Nischen in den übrigen Bauarten sind. Doch ist nicht zu läugnen, dals sie ungeach- 
tet ihres Schnitzwerks und des guten Verhältnisses nicht den simplen und edlen Effekt erzeugen, als die einfachen Nischen 
an und in den Gebäuden des griechischen und römischen Alterthums. 


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architectonischer 


äufserer und innerer Verzierungen 


für 


angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


Herausgegeben 


von 


H. C. Riedel dem jüngern, 


Königl. Preuls. Geh. Ober- Bau- Rath. 


Km m 000 N 


Sechstes Heft. 
Mit 6 Kupfertafeln in agua tinta geätzt. 


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DS = = = So Te e—nn 


Berlin, 1806. 


AruseieKrorsnemnwdeers. Henausgeb.ers. 


La 5 


Der Hauptgegenstand dieses Blattes stellt eine Idee zu dem Denkmal eines durch grofse Heldenthaten und andere ausser- 
ordentliche Herrschertugenden um sein Volk und den Staat unsterblich verdienten Regenten vor. Mit ihm stehen zugleich 
zwei Nebengebäude, zunächst zu militairischen Zwecken bestimmt, in Verbindung. 

Der Platz, der zu einem solchen Denkmal in einer grolsen Residenzstadt zu wählen seyn könnte, dürfte wohl am 
schicklichsten ein solcher seyn, zu welchem hin grofse Strafsen führen und vor welchem sich grofse offne Räume befinden, 
um eine freie, ungehinderte Ansicht des Monuments von allen Seiten zu gewähren. . Dals die Gebäude, welche einen solchen 
Platz umgeben, oder sich in seiner Nähe befinden, vorzügliche Werke der Architektur und wo möglich öffentliche Gebäude 
von einer würdevöllen Bestimmung seyn müssen, um das Monument ‚dadurch in eine würdige Nachbarschaft zu setzen, ver- 


steht sich wohl von selbst. Man hat bei dem vorliegenden Fall eine vornehmlich breite, und zu jenem Zwecke besonders 


erweiterte Brücke gewählt, die sich in dem schönsten Theile einer grolsen Residenzstadt befindet. 

Auf einem verhältnifsmälsig hohen Piedestal von Marmor, wozu ein Landesprodukt gewählt werden kann, mit bron- 
zenen Reliefs und Inschriften geziert, erhebt sich die Bildsäule des Helden zu Pferde von Bronze, in dem von der neuern 
Kunst aus mehr als einem triftigen Grunde, für einen solchen Fall am zweckmälsigsten gewählten idealen Kostüm des Alter- 

& ’ 5 8 
hums. Ganz ragt sie über eine Rückwand von der Höhe des Piedestals hervor, um’nach hinten zu dem Beschauer jede An- 
fe} B) 
sicht unwürdiger, kleinlicher, den Eindruck des Ganzen stöhrender Gegenstände. abzuschneiden. Diese Rückwand kann 
zweckmälsig dazu angewandt werden, in sich mehrere Reliefs von Marmor aufzunehmen, auf welchen die srößsten Thaten 
8 D D S 


des Monarchen abgebildet sind. 
Die beiden Seiten-Gebäude, durch die Rückwand in- Verbindung 
werden. In dem untern Geschosse des einen könnte bequem die für die Gegend nöthige Wache untergebracht, in dem obern 


Geschosse desselben aber eine Sammlung von allen den Montirungstücken angelegt werden, welche durch nöthige Abände- 
so wie auch eine Sammlung seltener Armaturen u. s. w. 


gesetzt, könnten zu mehr als einem Zweck. benutzt 


rungen bei der Armee allmählig aulser Gebrauch gekommen sind; 
In dem zweiten Gebäude könnte der obere Raum zum Locale einer militairischen Unterrichts- Anstalt, vorzüelich zu 
’ 8 


militairischen Zeichnen-Sälen benutzt werden. . Der untere Raum zur Anlage einer militairischen Bibliothek, Charten- und 


Plan-Sammlung. 
b) Giebt den Situationsplan des Monuments mit den Neben-Gebäuden, der zunächst für die Einwohner Berlins, ohne 


weitere Erklärung verständlich seyn wird. 
a) und c) sind Ornamente von römischen Armaturen hergenommen, die zur Verzierung jener beiden obbenannten 


Gebäude benutzt werden könnten. 


Taf& IL 


a) Darstellung eines Eckrisalits, welches sich an einer langen Facade anbringen läfst, sich aber doch nur in dem Fall 
besonders auszeichnen kann, wenn das Gebäude an einer hellen, breiten Stralse, oder an einem grolsen Platze liegt. Die 
Verzierungen werden von Stucko gearbeitet und der Anstrich in sich abstufenden milden, reinen Farben, nach (den Grund- 
sätzen besorgt, welche Heft I. und II. bei Taf. ı. 2. 3. angegeben sind. 

b) Vorbild zu einem reich dekorirten Mittelrisalit, welches aber nur bis’ zur dritten Etage 4 — 6 Zoll vorsprin- 
gen darf. Die Verzierungen sind im griechischen Styl gewählt. 

c) Abbildung eines ähnlichen Risalits mit einer Einfahrt, anwendbar bei einem großsen öffentlichen Gebäude, wo das 
über dem Mittelfenster angebrachte Relief den Charakter des Gebäudes anzeigen kann. 

d) und e) Ideen zu Garteneingängen, mit verschiedenen eisernen Thür- und Thor-Gittern. 


Anmerkung. In dem fünften Heft ist bei Taf. I. wegen der zum Anstreichen der Facaden nöthigen Farben das We- 
sentlichste bemerkt worden. Der dort erwähnte hiesige Mahler, Herr Ringsleben, ist seit der Zeit darauf be- 
dacht gewesen, die Versendung der Farben auf eine für die Liebhaber noch bequemere Manier möglich (zu ma- 
chen, indem er sie jetzt in breiartiger Masse zubereitet, in einer Kiste mit Fächern zum Sortiment versehen, ge- 
packt absenden kann. Nächstdem ist Hr. Ringsleben erbötig, den Liebhabern vor Absendung der Farben, die 
in freier Luft jede Witterung aushalten, auf postfreie Briefe, zuerst ein Sortiment auf Papier gestrichen, als 
Probe-Charte aus 36 verschiedenen Farbennüancen bestehend, unentgeldlich mitzutheilen. 


Ta£. II. 


Zu den gemeinnützigsten Anstalten in einem Staate gehören unstreitig auch die Chausseen. Ihre Anlage ist zugleich ein Mo- 


nument, welches sich der Landesherr auf ewige Zeiten setzt. Nur der gefühllose Mensch kann die Wohlthat verkennen, wel- 
che daraus dem gemeinen Wesen erwächst; der Bequemlichkeit und Sicherheit, welcher sich der Reisende dadurch erfreuet; 
eichtigkeit des Transports für Handel und Wandel und der Belebuns der Geschäfte, welche von einem Ort zum andern 
.der g h 5 a O, s B N 
trieben‘ werden. Aber auch zur Verschönerung der Gegenden können sie das Ihrige beytrasen. Die Bepflanzune derselben 
getrie E ; een o Do : Q 
it gesunden, schönen Bäumen unterbricht die Einförmigkeit mancher sonst baumarmen offenen Gegend. Die an 
mit ge ’ fe} ’ fe) 


demselben 
liegenden Wohn-Häuser der Chaussee-Beamten und Einnehmer, ja selbst die Meilensteine können auch durch ihr Äulfseres 
8 


beitragen, dem Reisenden einen angenehmen Anblick zu gewähren und das sonst unvermeidliche Einerlei einer mehren- 
theils ununterbrochen langen, geraden Landstralse zu mindern. ! 

Die zweckmälsige Einrichtung der Chaussee-Häuser ist daher ein wesentliches Stick von Idem Ganzen eines Chaus- 
see-Baues und eine Kleinigkeit mehr auf ihr Äulseres gewandt, um den Reisenden wenigstens einen freundlichen Anblick 
darzubieten, ist von keinem Betracht, bei dem Aufwand so grolser Summen, als die Anlage einer Chaussee überh 
fordert. Wo hunderttausende verwendet werden, können auch einige hundert Thaler mehr zu solchen Zwecken 
der landesherrlichen Bau-Kasse nicht lästig fallen; indem sie auch wohl sehr 
‘des Chaussee-Baues, ohne Nachtheil der Solidität, erspart werden können. 

Eine gleiche Bewandnils hat es auch mit den Meilen-Steinen. Ob man unter ihrem Namen übelgeformte Stein- 
Klötze an ‚der Landstralse aufstellt, oder es sich angelegen seyn lälst, auch ihnen eine Gestalt zu geben, die so zweckmälsig 
als dem Auge gefällig ist, das ist ebenfalls bei einem solchen "Bau vollkommen gleich und macht in der Ausgabe wenig Un- 
terschied, aber desto mehr Ehre dem Geschmack dessen, der die Chaussee anlegen liels. Es versteht sich überdiels, dals 
aulser der guten Form dieser Meilen-Zeiger, auch das Material vorzüglich hart und dauerhaft, ja das härteste seyn muls, was 
man habhaft werden kann, und dals die Steine scharfkantig mit einander verbunden werden müssen; wenn sie nicht zu bald 
den hier sehr unangenehmen Anblick von Trümmern gewähren sollen; wie man leider selbst an neuangelegten Chausseen zu 
häufig findet, wovon elende Gewinnsucht wohl nur der nächste Grund ist. 

A) enthält die Abbildung eines massiven Chaussee-Hauses, 504 Fuls lang, 365 Fuls tief und 104 Fuls hoch, welches zu 
Thalwitz, > Meilen von Berlin, auf der Stralse nach Frankfurt a. d. ©., stehet. 

B) Ein ähnliches Haus, 65 Fuls lang, 30 Fuls tief, worin der Chaussee-Zoll-Einnehmer, nebst zwei Chaussee-Wärtern 
ihre Wohnungen haben. , ü ; 

C) und D) stellen 2 Meilen-Steine vor. Die, welche nur halbe Meilen bezeichnen sollen, können verhältnilsmäfsig 
nur halb so grols seyn, als die, welche eine ganze Meile bezeichnen, die Steine für die Viertel-Meilen ein Viertel kleiner 
als die Halbe-Meilen-Steine; doch dürfen sie nicht mehr die pyramidalische Gestalt erhalten. 

E) Grundrils des Thalwitzer Chaussee-Zoll-Einnehmer-Hauses. Darin befinden sich folgende Gemächer: a) Expe- 
ditions-Stube. b) Wohn-Stube. c) Küche. d) Saal. e) Speise-Kammer. f) Durchgang. g) Gesinde-Stube. h) Wohn- Stube. 
i) Vorsaal. $ { r h 

Dieses Haus ist deswegen von einem grölsern Umfange als gewöhnlich, weil so viel Raum vorhanden seyn muls, um 
anch Reisende darin bewirthen zu können. Man findet auch gegenwärtig darin eine gute Bewirthung, gutes Essen und gute 

/ eine. 
er Pf) Grundrils eines Hauses zu Wohnungen für die Chaussee-Zoll-Einnehmer und zwei Wärter. 

Die Einnehmer-Wohnung besteht: a. aus einer Expeditions-Stube, b. Wohnstube, c. Kammer, worunter der Keller 

befindlich d. Küche. e. £. g. h. i. k. l. sind Wärter-Wo ınungen. 


aupt er- 
verwandt, 
leicht bei einer ordnungsmälsigen Verwaltung 


FERN ICH EDIT — 


Taf... IV... 


a) b) und c) sind drei verschiedene Abbildungen von Stadt- Thoren, mit den dazu gehörigen Grundrissen. Bei jedem 
dieser Thore sind rechts und links die Wach-.und Accise-Häuser angebracht. Die, Zeichnungen von a) und b) können zu 
Thoren in grolsen Städten, Residenzen u. s. w. angebracht werden. Die daran und darauf befindlichen’ Verzierungen durch 
die Bildhauerkunst, werden schicklich auf den Hauptcharakter der Stadt, z. E. einer Festung, militairischer Depots, oder auf 
darin vorzüglich blühende Kunst, Fabriken, Handlung und andere Gewerbe, . hindeuten können. 

b) Ist die Abbildung des Frankfurther Thores in Berlin, wodurch man die über eine halbe Meile in gerader Rich- 
tung fortlaufende und mit hohen Pappeln und alten Linden besetzte Chaussee erblickt. Auf den Vorplätzen der drei Thore 
könnten zur Verschönerung der Stadt und der umliegenden Gegend Spazier-Gänge durch Alleen, englische Partien, Aufstel- 
lung von Monumenten berühmter Männer, angelegt werden. Es würde nicht schwer fallen, dergleichen Verschönerungen zu 
bewirken, sobald es nur nicht bei denen Männern, welchen man dergleichen Bau- Anlagen überträgt, an Geschmack und 
gutem Willen fehlt. Die Kosten der Anlage und der Unterhaltung können auch von keinem Belange in Betracht der An- 
nehmlichkeit und der Genüsse seyn, welche dadurch der Stadt und den Bewohnern zuwachsen und werden gewils die Billi- 
gung des Landesherrn erhalten, wenn ihm nur dergleichen Projecte, von dem gehörigen Maals eingeschränkt, von der rech- 
ten Seite vorgestellt werden. 

d) und e) sind Vorbilder zu Hausthüren, 

f) zu einer Garten- Saal-Thüre und 

g) zu einer Garten-Thüre mit einem durchbrochenen Obertheil. 

Sämmtliche Darstellungen, mit Ausnahme von b) sind von des Herausgebers Erfindung, den es auch fernerhin freuen 
soll, wenn er bemerken wird, dals man hin und wieder von seinen, in diesen Sammlungen mitgetheilten Ideen, in und aus- 
serhalb Landes, bei architektonischen Anlagen und Ausführungen Gebrauch zu machen fortfährt, indem er darin den Beifall 
wahrnimmt, womit man seine Sammlungen zum Behuf äulserer und innerer Verzierungen aufgenommen hat. 


Val, Vi 


A) Eine gemahlte Decke zu einem Vorzimmer, in einer herrschaftlichen Wohnung. 

Einen ähnlichen Plafond hat Herr Mahler Ringsleben hieselbst in dem hochfürstlich-Hatzfeldschen Palais 
ausgeführt. Diese ganze Decke ist, ohne die mindeste Stucko-Arbeit, durchaus gemahlt und nimmt sich in Ansehung der 
sehr fleifsig gemahlten Weinranken und den vier Eck-Bouquets auf den milden Farbentönen des Grundes sehr schön aus. 
Die vier Seitenwände, welche dieser Plafond bedeckt, sind mit Papiertapeten, worauf bunte chinesische Figuren gemahlt 
sind, ausgeschlagen; aber sie steht mit der Mahlerei der Decke in keinem guten Verhältnils. Angemessener wäre es viel- 
leicht gewesen, wenn man eine ganz einfache Farbe und zwar, entweder aus einem schönen hellblau, oder gelb, oder Lilas 
gewählt, (jedoch nicht schreiend) und alsdann die Wandfelder mit einer schmalen Borte eingefalst hätte. 

B) Vorbild zur Dekoration einer grolsen Nische, die auf ähnliche Art, jedoch weit reicher verziert, in dem Palais Sr. 
Durchlaucht des Herrn Fürsten Hatzfeld hieselbst, vom Mahler Ringsleben gemahlt, anzutreffen ist. Jene Nische in dem 
erwähnten Palais erhebt sich mit zwei Stufen über einem davorliegenden Marmorsaal, dessen Fries vor der Nische durch 
zwei jonische Säulen von röthlichem Stuck-Marmor mit weilsem Fulsgesimse und Capitäle getragen wird. Beim Eintritt in die 
Nische sieht man vor sich einen grolsen Spiegel, mit einen sehr reich verzierten goldenen Rahmen; rechts und links stehen 
Divans. Die beiden Rückwände haben eine schöne rothe Grundfarbe, auf welchen musselinartige Gardienen gemahlt sind, 
‚die oben und unten mit reicher Goldstickerey und reichen Franzen besetzt sind. Auf dem darüber laufenden Friese, dessen 
Grund ächt vergoldet ist, sieht man eine fleilsig gearbeitete Rosenborte, und die darüber in Form einer halben Kuppel 
sich wölbende Decke ist in Felder eingetheilt und mit Verzierungen ausgemahlt. 

In der vorliegenden Abbildung hat man die Figuren weggelassen, weil sie wegen ihrer ‚Kleinheit, sich nicht be- 
stimmt genug ausdrücken liefsen, und dafür die Felder mit Laubwerk ausgefüllt und in dem obern Theil der Kuppel den durch 
Wolken scheinenden Mond angebracht. 


STeL ayı, 


A) Stellt die dorische Säulenordnung vor, welche besonders zu. Grab- und Denkmälern, Gefängnissen und überhaupt 
bei allen solchen Bauwerken anwendbar ist, welche den Zerstörungen der Zeit trotzen, und durch ihr Äulseres einen schauer- 
lichen Ernst erregen sollen. Das hierzu gehörige Gebälk C) und das Capitäl D) zeigen die Verhältnisse der einzelnen Glie- 
der nach den Modeltheilen., Beide tragen den erforderlichen Charakter ‘durch kräftige Profilirung und Einfalt. ° Der Fries 
ist hier nur ohne Architrav gebraucht, wodurch mehr Einfachheit entsteht, und die Dauerhaftigkeit zu gewinnen scheint. Der 
eine Theil des Gesimses liegt auf dem Friese horizontal; der andere ist so vorgestellt, dafs er bei gehöriger Ergänzung mit 
dem Friese, welcher als Eine Steinmasse gedacht werden kann, ein einfaches Fronton bildet; wobei die horizontale Kranzlei- 
ste fehlen muls. Steht der Säulenstamm auf einer festen über die Erde merklich erhöheten Grundlage, so ist kein besonde- 
Sockel nöthig: wo diese aber fehlt, mufs der Säulenschaft einen Sockel von 3 Model-Höhe erhalten, welcher indels nicht auf 
die blofse Erde, sondern auf einen Untersatz von z Model stark, gelegt wird. 

B) stellt eine ähnliche dorische Säulenordnung vor. Sie palst zu allen solchen Gebäuden, deren Charakter stark, kräf- 
tig und männlich ist und dabei zugleich Schönheit, auch wohl Pracht mit sich vereinbaren soll. Das Gebälke E) ist wegen 
der Deutlichkeit und guten Proportion seiner Theile, vom Tempel des Augustus, und das Capitäl hierzu, wegen seiner Ein- 
fachheit, edlen Kraft und Würde, vom Tempel des Theseus genommen worden. ? i 

F) und G) sind zwei dergleichen Capitäler, davon F) zur schwerern und G) zur leichtern und gefälligern dorischen 
Ordnung gehören; wobei die Metopen und Glieder des Gesimses, welche bei F) glatt bleiben, verziert sind anzuwenden Die 
erhabene Wirkung dieser Capitäle entstehet vorzüglich durch die edle Einfalt der Glieder und der kräftigen Zusammen- 
setzung und Profilirung derselben. f 

Zur mehrern Deutlichkeit der Construction der kleinen Riemchen zwischen dem Echinus und Säulenramen, ist die mit 
H) bezeichnete Figur beigefügt, woselbst nach einem vergrölserten Maalse, die Theile im -Verhältnifs zum Model theilweise 
angedeutet sind, 

DK) zeigen die Größse der beiden halben Endungs- oder Stand- und Lagerflächen des Säulenstammes, mit der dazu 
gehörigen Kannelirung und ihrer Construktion, "wie sie übrigens zum Capitäl Fig. G. passend sind. 

L) zeigt, wie man den Echinus des dorischen Capitäls zu mehrerer Zierde und Pracht dekoriren kann. Hierdurch er- 
halten die Capitäler ein würdiges und reiches Ansehen. 

Ist die Höhe des ganzen Entablements in Fulsen nach dem Maaßsstabe bestimmt; so läfst sich leicht die Gröfse eines 
Models in Fulsen und Zollen bestimmen. Soll z. B. die Höhe der Säule und des Gebälkes zusammen 24 Fuls, wie bei Fig. B. 
auch der Fall ist, betragen, so schlielst: wie sich verhält etc, 


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äufserer und innerer Verzierungen 


Für 


angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


Herausgegebeu 


von 


H C. Riedel dem jüngern, 
Königl. Preufs. Geh. Ober - Bau- Rath. 


Siebentes Heft. 
Mit 6 Kupfertafeln in aqua tinta geätzt. 


LEID Tr  — 


Berlin, 1807. 


Auf Karen des lIerausgebers. 


Bat 12. 


ID unter a, b, ce, d und f gegebenen Vorstellungen betreffen Monumente Verstorbener, von denen a, c, d und f Ent- 
würfe des Herausgebers sind. Man hat ihnen durch Form und Zierrath den Charakter zu leihen gesucht, den ihre Bestim- 
mung veılangt. 


Mehr als irgend wo anders fühlt sich an und auf Begräbnifsstätten das menschliche Gemtith zu ernsten Betrachtungen 
gestimmt. Diese für den Zweck des Lebens, so fruchtbare Stimmung ungestöhrt festzuhalten, ja ihr so gar eine angemelsne 
Nahrung zu geben, sollte überall von Regierungen und Polizeibehörden bey Anlage und Ausführung zweckmälsiger Begräb- 
nilsplätze mehr beherzigt werden, als es bis jetzt geschehen ist und doch wohl oft hätte geschehen können. Manche kleine- 
ren Städte Deutschlands sind darin andern grölseren musterhaft vorangegangen. In den mehresten herrscht der Greuel des 
Todtenbegrabens mitten unter den Lebenden, im Schoolse der Städte selbst, innerhalb des Umfanges des Kirchhofes, oder 
wohl gar in den Kirchen, noch immerfort. Da, wo Theilweise diesemMilsbrauche durch Begräbnilsstätten ausserhalb der Thore 
abgeholfen ist, sieht man indessen nicht selten an Todtendenkmälern reicherer und ärmerer Familien theils Inschriften, theils 
Zierrathen, die so wenig den Anforderungen gebildeter Leser und Betrachter, noch den des guten Geschmacks Genüge lei- 
sten und die nicht selten durch ihre Form und ihren Inhalt dem Ernsthaftesten ein unwillkürliches Lächeln abnöthigen. 
Unter solchen Umständen ist es dann freilich um den ganzen Ernst und die Feierlichkeit der Stimmung geschehen, der man 
sich erst zu überlassen geneigt war’). : 


Die alten Griechen undRömer gingen uns auch in dieser Angelegenheit so musterhaft voran. Form und Inschriften ihrer 
Todtendenkmäler entsprechen so vollkommen dem Zweck, widersprechen wenigstens in dieser Hinsicht durch Abentheuer- 
lichkeiten in Gestalt,. Zierrath und Inschrift nicht der Absicht des Denkmals überhaupt, wenn sie auch nichts Grölseres lei- 
sten wollten. Die symbolische Sprache ihrer Kunst kam ihnen dabei so ausserordentlich zu Statten und liels ihnen auf einen 
Blick durch ein einziges allgemein verständliches Bild mehr wissen, als oft die ruhm- und wortreichsten Inschriften auf un- 
sern Denkmälern nicht besagen können. Eine umgekehrte erloschne Fackel, das Bild des ausgelöschten Lebensfeuers, oder 
ein Genius mit der umgekehrten Fackel; ein Thränengefäls als Symbol der Trauer; ein Schmetterling als Symbol der von 
den Fesseln des Körpers befreiten Seele; ein Siegerkranz, als Symbol des mit Ruhm erreichten Ziels auf der Laufbahn des 
Lebens u. s. w. waren die bedeutend ansprechenden Bilder, welche schicklichen Orts angebracht, den Beschauer auf der Stelle 
den Charakter des Monumentes zu erkennen gaben, wovor er sich willkürlich oder unwillkürlich gestellt sah. Ensweder 
ein kurzes Epigramm versetzte mit wenig Worten den Leser in die Stimmung, in welcher sich der Verfasser selbst befand, 
da er es aufschrieb, oder wie es der Gegenstand nothwendig erheischte, der dazu die Veranlassung gab. Oder eine grölsere 
Inschrift — dennoch wortkarg, aber gedankenreich — belehrte den Leser bestimmter über den Todten und seine Verhältnisse. 


Wir haben zum Muster der letzten die Inschrift gewählt, welche sich auf dem Denksteine befindet, der die Stelle 
bezeichnet, wo der verstorbene Professor und Architekt Friedrich Gilly auf dem Kirchhofe zu Karlsbad begraben liegt. 
Die Zeichnung in b) giebt von dem Denksteine und Grabe ein treues Bild. ° Die Inschrift hat einen der ausgezeichnetesten 
Schriftsteller, Herrn Friedrich Genz, zum Verfasser. Ihr gedankenreicher Inhalt, der den Werth und die besondern Ver- 
hältnisse des leider für die Kunst und die Seinigen viel zu früh Verstorbenen so schön und wahr ausspricht, wird durch die 
Ueberzeugung aller derer, die ihn als Künstler und Menschen kannten und durch die hinterlassenen zum Theil ausgeführten 
Denkmäler seiner ausgezeichneten Talente vollkommen beurkundet. Die Inschrift lauter, wie folgt: 


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*) Auf öffentlichen Begräbnifsplätzen mülsten billig und vielleicht von Rechtswegen, eben deshalb, weil diese Angelegenheit eine der menschlich- 


sten, heiligsten und eine öffentliche ist, diese Gegenstände einer strengen Begräbnils-Denkmäler-Censur unterworfen seyn, um Lächer- 
lichkeiten und Abgeschmacktheiten zu verhindern, ehe sie ausgeführt und aufgestellt würden. 


Hier ruht 
Vom Vaterlande und von zahlreichen 
Freunden getrennt 
Ein Liebling des Himmels und der Menschen 
Ein Künstler der edelsten Art 
In welchem die Fülle des Genies 
Mit der Reinigkeit des ächten Geschmacks 
Und der innern reitzenden Harmonie 
Einer schönen gebildeten Seele 
Die Kunst mit dem Leben sich verschlang 
Friedrich Gilly 
geboren d. ı6ten Februar 1771. 
gestorben d. Sten August 1800, 


ie 
Denen sein Tod die Zierde ihres Lebens entrils 
Haben ihm hier in trostloser Ferne 
Dies Denkmal ewiger Schmerzen 
Und ewiger Liebe geweiht. 


Bey dem Monumente a) hat der Verfasser die Idee gehabt, die Inschriften entweder unter Bedachungen, oder in Ver- 
tiefungen anzubringen, weil durch Beides die längere Dauer der Schrift gesichert wird. Der Zahn der Zeit nagt freilich auf 
die Länge auch die tiefste Inschrift aus. Wer will indessen nicht auf so lange als möglich das Andenken geliebter Personen 
erhalten wissen? 


Bey dem Monumente c) dachte sich der Verfasser den obern massiven Deckel beweglich und so, dafs er leicht ab- 
genommen werden kann. In dem untern massiven Kasten würde dann der Sarg selbst mit dem Todten eingesenkt stehen. 


„Da man Sandsteine von verschiedenen Farben hat, so könnte man, wie das kolorirte Bild auf f) nachweiset, den 
Cylinder von rothem Sandstein machen und ihn aushölen. In diesen innern Raum liefsen bey blols historischen Denkmä- 
lern sich weitläuftigere schriftliche Nachrichten legen, als man hier durch die äusseren Inschriften geben kann; aber auch 
Familiennachrichten, Biographien der darunterliegenden Todten für die Nachwelt. Fine feste Verkittung würde bey der 


Schwere des steinernen Deckels ihre sichere Aufbewahrung bey anderweitiger Obhut im allgemeinen verbürgen. 


Das untere Mittelstück: ist der Eingang zu einem öffentlichen Begräbnilsplatze. Das Thor in der Mitte ist für die Wa- 
gen und das Leichengefolge; die Nebenöffnungen sind für die Zuschauer und Fulsgänger bestimmt. Der Platz ist zweck- 
mälsig mit grolsen und kleineren schattenreichen Bäumen — Linden, Platanen, wilden Kastanien, Akazien, Pappeln, Tan- 
nen — so wohl an den Seiten als in der Mitte, nach verschiedenen Richtungen, doch mehr regelmälsig und zierlich, als 
ordnunglos besetzt. Unter und neben ihnen schlafen in dem grünen Rasen die müden Wanderer nach vollbrachter Lebens- 


reise. Die mit dem schönen Grün und dem dunkeln Schatten der Bäume, oder mit lieblichen Blütengesträuchen sich grup- 
pirenden ernsten Denkmäler und Mausoleen gewähren das Bild einer zwar feierlich stillen, aber nicht furchtbaren Ruhe. 
„Hier mögt ich einst neben meinen Brüdern und Schwestern schlafen!“ — Diesen Wunsch muls der wahre Charakter eines 


Menschen würdigen Begräbnilsplatzes allen denen, die menschlich fühlend ihn besuchen, unwillkürlich abnöthigen. 


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Taf, IL 


Das Mittelstück dieses Blattes c) ist die Abbildung eines Ofens für ein Zimmer von 17 bis 18 Fuls im Quadrat. 
Der Ofen ist von granitfarbig glasirten, gebrannten Kacheln mit sogenannten enkaustischen Verzierungen, nemlich mit zwei 
Cyklopen und einer Eule Auf em Neste; das Feld hinter der Eule aber ist mit Weinranken ausgelegt. Dieser Ofen steht 
in der Höhlerschen Ofenfabrik in der Hasenheger Stralse, No. 4. zu Berlin. Er findet den Beyfall der Kenner und ver- 
dient ihn, da er mit vieler Zierlichkeit eben so viel Dauer zu verbinden scheint. Der Preis ist 80 Rthlr. 


Wollte man aber diesen Ofen durchaus nur von rohen Kacheln (Biscuit) verlangen und sowohl die Verzierungen. als 
die Kacheln mahlen lassen; so würde man ihn für 5oRthlr. erhalten. Der Herausgeber kann indessen die gemahlten Ofen 
nur für diejenigen Liebhaber empfehlen, die in einer Stadt wohnen, wo man geschickte Stafirmahler haben kann, weil diese 
Ofen alle Jahre einer Ausbesserung bedürfen, besonders wenn sie in ihrer Verbindung und Verkettung mit Drath schlecht 
gesetzt sind. a und b sind zwei Darstellungen von Kandelabern aus Durand, Planche 75. entlehnt. Wie schön auch der 
Kandelaber b) verziert ist, so ist doch sein Fuls dem Verhältnils der Höhe nicht ganz angemessen, nemlich nicht breit und 
grols genug zu einem festen Stande, was sich aber bey der Nachahmung zum Vortheil der Sache leicht abändern lälst. 


Diese und ähnliche Leuchter würden gewils zu grofsem Vortheil in Absicht des Preises auf der Eisengielserey zu Berlin, 
wo man schon mehr dergleichen künstliche Arbeiten schön verfertigt hat, Stückweise gegossen werden können. Durch 
Schrauben könnte man das einzelne Stück leicht und bequem mit einander verbinden. Wenn nun die erhobenen Verzie- 
rungen ächt, nach Maalsgabe der Schicklichkeit matt und glänzend vergoldet würden, so könnte in Absicht der Kosten, wel- 
che sonst diese Leuchter aus Bronze verfertigt verursachen würden, viel erspart werden. 


Die unter den Kandelabern stehenden verzierten Leisten können Vorbilder zu vertieft eingeschnittenen Verzierun- 
gen abgeben. 


Ta£ III 


Dieses Blatt enthält zwei Ansichten massiver Gartenhäuser, wozu der Grundrils, der für beide palst, unterhalb in 
der Mitte zu sehen ist. 


Ein solches Gartenhaus kann im Lichten ı2 bis 14 Fuls im Quadrat halten; kann mit zwei Eingängen, oder auch 
nur einem versehen seyn, je nachdem die Anzahl der Gartengänge ist, welche darauf zustolsen. Einige grolse Fenster öff- 
nen die Aussicht auf eine oder die andre gegenüberliegende mahlerische Partie des Gartens, oder der umliegenden Gegend 
bey einem erhöheten Standpunkte. Schwerlich würde man darin gern im Frühjahr oder im Herbste einen Kamin vermissen, 
der aulser der Annehmlichkeit der Heizung auch noch zu jeder Jahreszeit den Kaffetrinkern und Tobaksrauchern zum Er- 
wärmen und Warmhalten des erstern und zum Anzünden der Pfeifen und zur Abführung des Tobaksrauchs willkommen 
seyn würden. 


Flachgehaltene Dächer werden diesen Häusern eines so kleinen Umfangs ein besonderes vortheilhaftes Ansehen ‚ge- 


währen; aber es muls dafür gesorgt werden, dals sie sehr wasserdicht angefertigt werden, weil sie sonst dem Innern eines 
solchen Gebäudes durch Einnässen sehr schaden. Daher ist das Beschaalen und Bedecken mit starkem, guten Kreutzblech, 
vorzüglich aber mit Pontonblech, anzurathen; besonders aber muls bey der Klempnerarbeit darauf gesehen werden, dals 
das Blech gehörig gekrämpt wird, die Nägel aber nicht durchgeschlagen werden. Der br kann inclusive Blech, Nä- 
gel und doppelten Anstrich wohl mit 8 bis gGroschen bestritten werden, wobey es aber darauf ankommt, ob es auf dem Lande 


oder bey einer Stadt gedeckt wird. 


Die äufsern Verzierungen können deshalb wohlfeiler geliefert werden, so bald man sich dazu nur blofser Ein- und 
Ausschnitte bedienen will. Dies kann sehr wohl von solchen Maurern bewerkstellist werden, die einigermalsen etwas von 


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freier Handzeichnung gelernt haben. Im preufsischen Staate ist dafür durch die Kunst- Gewerksschulen in mehreren Haupt- 
städten der Provinzen gesorgt worden, 


Der Anstrich der Facaden muls jedesmal mit milden Farben gemacht und darin das viele Weils vermieden werden. 
Der rothgelbliche und bräunliche Ton, so bald ein solches Gebäude etwas im Gehölze zu stehen kommt, nimmt sich vor- 
züglich gut aus; steht es aber frey, so thut der ins olivengrünliche fallende Ton mit Abstufung der Tiefen und der Plinte 
oder dem Sockel, eine gute Wirkung. Die Farbe der Thüren und Fensterrahmen richtet sich nach der Farbe der Facade; 
bey dunkelm Anstrich .hellgrün, und bey hellem Anstrich braunröthlich, eichenholzartig. 


Die untersten beyden Seitenstücke auf diesem Blatte sind Vorbilder zu zwei Gartenbanken, die eine steinartig, die 
andere linkerhand von Holz anzufertigen. Auch lielse sich die letztere, wegen der leichten Vergänglichkeit der hölzernen 
Gartenbanken aus Eisen gielsen; aber es mülste ein hölzerner Sitz in Form eines Rahms mit Sprossen in einen Falz, der sich 


in dem eisernen Oberrahmstücke befände, eingelegt werden können; indem die Kälte des Eisens der Gesundheit des dar- 
auf Sitzenden schädlich werden könnte. 


Ta&. 1V, 


Lit. a. Abbildung einer nur ganz einfachen Facade, welche in Berlin in der Leipziger Stralse unweit des Potsdammer 
Thors, unter Nr. 105. anzutreffen ist. 


Noch vor einigen Jahren sahe man diese Facade mit einer Menge vorstehender, altyäterischen Stukkaturarbeiten und 
Schnörkeln, ohne alle Verhältnisse, mit vielen Feldern und Vertiefungen überladen. Auch selbst die Einfahrt, welche mit 
einem Bogen überwölbt war, milsliel, ihrer unverhältnilsmälsigen, geringen Höhe wegen, dem Auge. 


Der Herausgeber, den dieses Haus besonders interessirte, wünschte diesem Gebäude ein anderes äufseres geschmack- 
volles Ansehen zu verschaffen. Er liels daher unter seiner Leitung und unter seinen Augen, freilich nicht ganz ohne Ge- 
fahr, doch mit aller auf Erfahrung gegründeten Vorsicht, den halben Bogen der Einfahrt heraushauen, um eine angemessene, 
gestreckte Höhe zur Einfahrt in den Thorweg zu erhalten. Hierbey schonte er aber nicht die erforderlichen nöthigen eisernen 
Schienen und Hänge-Anker, um alle Sackung der darauf ruhenden Last zu verhüten. Er liels das Risalit verzahnt vor- 
mauern, alles übrige aber an der ganzen Facade, mit einigen Vorsprüngen, Brustbändern und Seitenpfeilern, durch verkettetes 
Anmauern, abgleichen, und die ganze Fläche mit Abstufungen von hellolivengrüner bis ins braune und gelbliche fallender Farbe 
abputzen, die wenige Stukkatur- Arbeit im Risalit hingegen ganz hell ins gelbliche übergehend überstreichen. Diese Simpli- 
cität sowohl in den Verzierungen als in der Farbe, giebt dem Hause jetzt eine gröfsere Fläche und ein freundlicheres Anse- 
hen; auch haben die Pfeiler zwischen den Fenstern mehr Ansehen von Stärke erhalten, als zuvor, wo sie mit erhöhten. 
Schnörkeln überladen waren. Kein Vorübergehender wird durch die Ueberladung der Verzierungen ermüdet, wie man 
an vielen Häusern, wo die Facaden mit denselben im Uebermaalse gleichsam übersäet sind, befürchten muls. 


Der Verfasser hat bey dieser Abbildung und der Mittheilung dieses Renovations-Berichtes die Absicht, zu zeigen, wie 
man bey dergleichen nicht Kostspieligen Abänderungen alter Fagaden das wohlgefälligere ihrer Ansichten bewirken und den 


Städten eine äulsere Verschönerung verschaflen kann. 
Lit. b und c sind Aufrisse zu schicklichen Land- und Brunnen- Häusern. ‘Ueber den innern Bau etwas näheres anzufüh- 


ren sind diese Hefte für jetzt noch nicht geeignet, indem sie blos Ansichten von Verzierungen der Gebäude, sowohl das 
Aeulsere als das Innere betreffend, enthalten sollen. — 


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Die unter a, b, c, befindlichen Abbildungen moderner Ofen findet man theils schon fertig in der Höhlerschen 
Ofen-Fabrik zn Berlin in der Haasenheger Stralse Nr. 4. wie schon bey der Taf, I. erwähnt, theils werden sie auf Bestel- 
lung daselbst bald und prompt angefertigt. 

Diese drey Arten von Ofen sind zufolge der Gröfse für gewöhnliche Wohnzimmer von ı7. ı8 bis 19 Fuls im Qua- 

drat bestimmt. Die Größe hängt von der Gröfse der Zimmer ab, daher auch der Preis der Ofen verschieden ist. Wenn 
also Liebhaber dergleichen Ofen verlangen, so können ihnen noch besondere Zeichnungen gegen Bezahlung übersandt wer- 
den, im Fall sie A weichungen von diesen hier abgebildeten, verlangen sollten. Jedesmal muls aber bey der Bestellung 
der Ofen, die Länge, Breite und Höhe des Zimmers, die Anzahl der Fenster und Thüren, und ob der Ofen in einer Ni- 
sche, oder in einer Ecke, oder in der Mitte des Zimmers oder eines Saals, zu stehen kommen, und ob er von innen oder 
aulsen geheitzt werden solle, an ezeigt werden. MNächstdeim muls man nicht unbemerkt lassen, ob man auf die bestellten 
Ofen, zum Aufsatz Vasen, Schaalen oder andere Figuren wünscht, weil diese Stücke besonders bezahlt werden. 
. Der Ofen Lit. a. kostet, ohne Thüre, die wegbleiben kann, so bald er von aulsen geheitzt werden soll, so wie der 
in Lit. b, 50 Rihlr., jedoch ohne Aufsätze, die besonders bezahlt werden, und die man in verschiedener Grölse zu g bis ı3 
Zoll Höhe; Vasen von ı bis 3 Fuls und Figuren von 2 Fuls 4 Zoll, ferner zu 4. 5 bis 6 Fuls hoch, (wovon man Gebrauch 
auf Ofen in Sälen, besonders aber in Garten-Sälen machen kann, da sie aller Witterung widerstehen, und Dauer gewäh- 
ren) erhalten kann. 

Soll der Ofen Lit. a. aber im Zimmer geheitzt werden, .so kann er, wie die Zeichnung nachweiset,. durchbrochene 
messingene Ofenthüren bekommen; die sich sehr gut ausnehmen und mit 12 bis ı4Rthlr. (incl. der zuerst angebrachten 
eisernen Vorthüren, die unmittelbar auf die Feuerung folgen und zuerst den Ofen schlielsen) besonders bezahlt werden. 

Der Ofen Lit. c. kostet 75 Rthlr. und kann wohl grölser, nach Grölse der Zimmer und Säle, aber nicht kleiner ge- 
macht werden, weil er sonst im Verhältnils verlieren würde. 

Bei diesen 3 abgebildeten Ofen ist angenommen, dafs sie von ganz weilsen, fein glasirten Kacheln gesetzt und mit 
enkaustischen Verzierungen dekorirt sind. Diese neue Art von eingebrannten Arbeiten, in allen schönen Farben, ist erst seit 
1804 bekannt, und die genannte Fabrike hat darüber ein ıojahriges Patent erhalten. Liebhaber können auch statt der gan- 
zen weilsen Kacheln, Granit oder Porphyrartige Farben wählen, die der Natur äufserst nahe kommen. Ungeachtet dieser 
schönen und dauerhaften Art Ofen, die durchweg mit eingebrannten und glasirten Arbeiten angefertiget werden, und 
besonders der Reinlichkeit wegen zu empfehlen sind, weil man sie ohne Nachtheil der Farben, stets vom Staube befreien 
kann, fährt man dennoch in der Fabrik fort, die schon seit mehreren Jahren bekannten Biscuit-Ofen, in Sälen, Visiten- 
zimmern und Cabinetten, im besten neuesten Geschmäck zu verfertigen. Es kömmt nur darauf an, dals dergleichen Ofen 
unter die Hände geschickter Mahler kommen, und nicht zu bunt, sondern den übrigen Verzierungen oder Mahlereyen 
des Zimmers angemessen, in Farben gesetzt und staffirt werden. Man kann ‚dergleichen Ofen von ı2 bis zu 100 Rthlr. "er- 
halten. Um sich von den mannigfaltigen ganz vortrefllichen Arbeiten dieser Art zu überzeugen, müssen Reisende den Mo- 
dell-Saal dieser Fabrik besuchen, worin man ein reiches Lager von allen Arten aus Thon gebrannten Kunstsachen an- 
trifft, und die Fabrik unermüdet fortfährt, - diese Kunst in jeder Hinsicht zur höchsten Vollkommenheit in Stoff und Form 
zu bringen. 

30 findet man außer einer reichhaltigen Sammlung von Ofen, Figuren, Vasen und dergleichen, ein grolses Sorti- 
ment von Blumentöpfen und Körben, die durch dauerhafte Ochlfarbe geschmackvoll mit und ohne Gold dekorirt sind, und 
deren bestimmte Preise sich von 5 Gr. bis zu 2 Rthlr. das Stück belaufen. 

Der Verfasser behält sich vor, Be Fortsetzung dieser Hefte mehrere Gegenstände aus dieser Fabrik in Abbildungen 


zu liefern, und was sonst noch über diese Fabrik und ihre neusten Produkte dem Publikum interessant seyn. könnte, 
anzuzeigen, 
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TaL IVE 


Lit. a. b. c und d. Verzierungen aus Durand, planche 79, entlehnt. 


Diese vier Gegenstände sind bey Umzäunung der Gärten und Höfe von Holz und Lattenwerk gearbeitet und mit 
bunten Farben colorirt, mit Nutzen und zur Beförderung eines zierlichen Ansehens anzuwenden. Auch bey oflenen Garten- 
Häusern zu Brustwehren oder Geländern zu gebrauchen. 


Lit. e. £f und g. Aus den Details Romains p- Durand, planche 76. 
f. Aus dem Friedenstempel zu Rom, 


Diese Verzierungen können von Stuck gefertiget oder gemahlt, bey Platfonds und besonders Lit. £ in Gewülbebo- 


gen bey grolsen Zimmern oder Sälen benutzt und angebracht werden. Aulserdem noch bey Facaden ganz, auch einzeln, zu 
Band- Verzierungen und Friesstücken, 


Lit. I. K..L. Aus den Details Romains p. Durand. P; Ju. 
I. Colonnes du Portique du Pantheon. 
K. — — — de Septime Severe. 
L. Composite de la grande Salle des Thermes de Dioclötien. 
h. Eine Erfindung des Verfassers, die sich bey Gothischen Gebäuden möchte anbringen lassen. 


Alle diese vier verzierten Säulenarten würden sich in Winter - Gärten, Orange- Häusern und Garten-Sälen schicklich 
anbringen lassen, Um auf dem wohlfeilsten Wege zu dergleichen Arbeiten zu gelangen, würde die Höhlersche Ofen - Fa- 
brik hieselbst zu empfehlen seyn, um sie aus Thon formen und dauerhaft brennen zu lassen. Auch könnte man dergleichen 
Arbeiten auf Ziegeleien anfertigen und brennen lassen, um sie für einen noch geringeren Preis zu erhalten. Dals so etwas 
auf diesem Wege zu erreichen sey, wenn man nur will, beweist die Dom-Ziegelei zu Havelberg, wo durch die Betriebsam. 


keit des Herrn Land-Baumeisters Schultz nicht nur ganz vortrefllich gute Steine gebrannt, sondern auch ganze Verzierungs - 
Stücke mit vielem Glücke angefertiget werden. 


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architectonischer 


äulserer und innerer Verzierungen 


für 


angehende Baumeister und Liebhaber der Baukunst. 


Herausgegeben 


von 


H C Riedel dem jüngern, 


Königl. Preuls. Geh. Ober-Bau-Rath. 


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Achbes: :Hefh 


Mit 6 Kupfertafeln in agua tinta geätzt. 


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Berlin, 1810: 


AufKosten des Herausgebers. 


ZaL. 3 


(AR Vorbilder zu Gebäuden in grolsen Gärten oder Parks. 


Lit. a Ein Tem el dessen Ku el von zehn freistehenden Säulen getragen wird; wozu man vermittelst zweier 
1) PP o° ’ ’ 
Treppen gelangen kann. 


Bei der Aufstellung dieses Tempels nimmt man an, dafs solcher in einer Gegend errichtet wird, die eine weite und 
reitzende Aussicht über ein vorliegendes, sich in sanften Krümmungen schlängendes Gewälser gewährt, um diese Aussicht 
daselbst in einer halbzirkelförmigen geschmackvoll verzierten Wand zu genielsen, wo der ermüdete Spaziergänser, vor 

5 8 » ’ 


Zugluft geschützt, ungestört die Reitze der Natur überschauen und bewundern kann. 


Was die Bauart betrifft, so hat man sich weder in Absicht der Form und Anordnung, noch in Absicht des Charak- 
ters an die Kegeln der Baukunst strenge gebunden, sondern blols eine Zusammenstellung gewählt, die dauerhaft ist und 


auf den Vorübergehenden einen angenehmen Eindruck macht, der aus einem wilden und finstern Gebüsch plötzlich auf 
einen freien Platz tritt. 


Lit. c. zeigt den Grundrifs zu diesem Tempel. 
Lit. b. Darstellung eines Tempels nach gothischer Bauart. 


Ein solches Gebäude, an einen dazu schicklichen Ort angebracht, erweckt Ehrfurcht und Erstaunen. Es mus jedoch 
ein gewisses heiliges Dunkel, sowohl den Platz, als das Gebäude selbst, äulserlich und innerlich umgeben, denn nur 
unter dieser zweckmälsigen Anordnung kann die gothische Bauart gefallen. Hierbei kommt es aber hauptsächlich auf eine 
geschmackvolle Anlage des Gehölzes und auf eine kecke imponirende Bauart an. Hierzu trägt auch noch der passende 
äulsere Abputz des Gebäudes und dessen innere Beleuchtung durch mannigfaltig gefärbte Glasscheiben viel bei, wohinge- 


gen Pracht und Glanz vermieden werden muls, Von der auf diesem Gebäude angebrachten Platform, wozu man durch 


zwei Treppen gelangen kann, geniefst man eine reizende Aussicht, wenn schon dies Gebäude mit hohen Baumgruppen 


und Gesträuch umgeben ist. 


Das Gebäude kann im Innern durch die angebrachte Netzkuppel von der Platform aus durch gefärbte Gläser noch 
besonders beleuchtet werden. Das Innere des Gebäudes muls in Allem dem Äufsern entsprechen und daher darf kein 
Gegenstand an und in demselben von dem Charakter der ächten gotlischen Bauart abweichen, denn nur unter dieser Vor- 


aussetzung kann eine solche Anlage dem Kenner gefallen. 
Lit. d. Grundrils zu diesem gothischen Tempel. 
Lit. e.e Ein Monument in der Tiefe eines Gebüsches, wozu ein einsamer Gang fülırt. 


Die Form dazu ist so gewählt, dafs der mittlere Theil, worauf die Aschenkrüge stehen, und wo die Inschrift ange- 
bracht werden kann, vor der Vernichtung am besten gesichert ist, denn nur unter dieser Construction kann ein solches 
Denkmal für gefühlvolle Nachgelassene den Zweck gewähren, das Andenken an geliebte Toodte auf lange Zeit ins Ge- 


dächtnifs zurück zu rufen. 


Hier kann in ungestörter Einsamkeit 
Der Geist sich auf zum Sitz der Gottheit schwingen 
Und Liebe, Freundschaft, Achtung, Dankbarkeit 
Dem Hingeschiedenen der Thränen Opfer bringen, 


Die nicht der Menge kalter Blick entweiht. 


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Dieses Blatt enthält sechs Muster zu einem ovalen Platfond, welche besonders in Sälen sich anwenden lassen. Der 
eine Theil mit den Casetten ist durch den Mahler Herren Ringsleben im Concert-Saale des Schauspielhauses zu Berlin 


gemahlt worden. 


In sanften Tönen colorirt nimmt sich jedes Muster von diesen sechs Vorbildungen gut aus. 


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Taß.-11L 


Darstellung von einer hellen Saal- Wand. 


In dem Accise - Departements - Gebäude zu Berlin sieht man mit wenigen Abänderungen eine dergleichen Saal- 


Wand vom Mahler Ringsleben gefertiget. 


Will man die Figur auf dem grolsen Felde weglassen, so kann in die Stelle ein grolser kristallener Wand - Leuchter 
von Bronce, auf einer Konsole ruhend, angebracht werden, und die schmalen Felder auf beiden Seiten erhalten eine han- 


gende Verzierung. 


Die Thür - Stücke und übrigen Verzierungen können in Weils, wenn der Hauptgrund der Felder schön Blau ange- 


nommen ist, gefertiget werden, bei andern Farben nimmt sich auch die blafsgeibe Farbe der Verzierungen gut aus. 


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Abbildung der Facade von dem Prediger-Wittwen-Hause in der grolsen Friedrichs-Strafse No, 215 zu Berlin. 


Dies Gebäude hat zwar 5 Etagen, man fand es aber zweckmälsiger, hier in der Darstellung nur 2 Etagen zu wählen, 


dagegen sind dem Haupt - Gesimse Modillons zugefügt, indem es in der Wirklichkeit den Augen zu leer erscheint. 


Was den Abputz, oder den Farbenanstrich des Hauses betrifft, so findet man die erforderliche Belehrung im 5ten 


Heft bei der Erklärung der Taf. I., worin das Nöthige in Hinsicht der Dinten- und der Farben-Mischung zu Genüge 


esagst wörden ist. 
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Diese beiden Seitenstücke sind Ideen zu modernen Ofen, sie haben nach beigesetzten Malsstäben die Grölse zu ge=- 
wöhnlichen Wohnzimmern. Sie können von glasirten Kacheln mit enkaustischen Verzierungen oder von rohen Kacheln 


Biscuit) gefertiget und gesetzt, und die von letzterer Art, der Zimmerdecoration gemäls, gemahlt werden. 
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In der Höhlerschen Ofen-Fabrik zu Berlin werden sie in grölserer und kleinerer Form, mit mannigfaltiger Abän- 
derung in den Verzierungen, nach Verlangen, zu jeder Zeit verfertiget. Ein Mehreres über die Fabrikation dieser Öfen 


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und deren Preise ist bereits im 7ten Hefte 1807. Taf. I. und V. gesagt worden. 


Taf.- VI. 


Das Mittelstüick auf diesem Blatte ist ein Modell zu einer Laterne auf einem eisernen Gestelle und massiven sechs- 
seitigen Fuls. 

Rechts und links auf diesem Blatte, sind Muster zu eisernen Laternen-Gestellen; wenn solche nach der Gröfse des 
beistehenden Maalsstabes von geschmiedetem Eisen und mit Schrauben und Nieten befestiget, angefertiget werden, so 


kann ein solches Gestell wohl 45 bis 50 Thl. kosten. 


Die 5 mittlern Gegenstände sind Abbildungen zu eisernen verzierten Gitterthüren vor Einfahrten und Gängen gro- 


fser Plätze, 


Erstere mit beiden Laternen sieht man am Opernplatz und die beiden leiztern vor dem Sammelplatz der Kaufmanns- 


Börse zu Berlin. 


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